„Denke an deinen Namen, Siebenten-Tags-Adventist!“

Kommentar zur Grundsatzpredigt von Ted Wilson anlässlich der Herbstsynode in Silver Spring, 2010

 

Es ist nun wirklich nicht meine Absicht, alle Predigten führender Adventisten zu kommentieren, aber da auch diese Predigt wieder in deutscher Übersetzung ins Netz gestellt wurde, bot sich die Gelegenheit zu überprüfen, ob mein Kommentar zur 1. Grundsatzpredigt vom Sommer in Atlanta in etwa die Intension des neuen GK-Präsidenten getroffen hat. Damals hatte ich als ein Ergebnis festgestellt, dass sein Thema „Vorwärts und nicht rückwärts“ genau das Gegenteil bei mir ausgelöst hatte. Habe ich mich bei meinem Kommentar damals geirrt? Umso gespannter las ich die neue Grundsatzpredigt – wobei sie zwar als Sabbatpredigt im Text der Geschwister Mayer tituliert wurde, aber im englischen Original steht nichts von einem sermon (Predigt), sondern da steht message (Botschaft). Ob diese philologische Unterscheidung von Belang ist, kann ich nicht abschätzen. Mir fiel sie auf.

 

Dieser Kommentar hat aber nicht nur die Funktion, meine damalige Einschätzung zu überprüfen, sondern verfolgt noch eine weitere Absicht. Ich werde das am Schluss des Kommentars erläutern.

 

Ted Wilson hatte eine Botschaft! Er sprach vor der versammelten Führungsmannschaft der Weltkirche. Alle Funktionsträger abwärts  bis zur Ebene der Verbandsvorsteher einschließlich diverser Leiter der Institutionen waren anwesend. Die Hauptthese diesmal lautete: „Denke an deinen Namen, Siebenten-Tags-Adventist! Jedes Mal, wenn du ihn aussprichst, hältst du eine Predigt!“ (S. 5 u. a. – Die Seitenzählung bezieht sich auf die vorliegende Übersetzung der Geschw. Mayer.) Damit waren zunächst der Sabbat und die Wiederkunft Christi als Hauptsätze adventistischen Glaubens bezeichnet. Man kann natürlich vom Namen ausgehen und dadurch die Hauptunterschiede zu anderen christlichen Konfessionen betonen. So haben z. B. die Baptisten in ihrem Namen den Hinweis auf die Erwachsenentaufe als Unterschied zu den beiden Großkirchen. Wir sind in der Namensgebung einen ähnlichen Weg gegangen.

 

Ted Wilson hat es natürlich nicht bei den beiden Hauptthemen belassen, auf die ich später eingehen werde. Insgesamt aber finde ich deutliche Anklänge an seine 1. Grundsatzpredigt vom Sommer. Meine damalige Vermutung – Ted Wilson argumentiere eher rückwärts gerichtet – hat sich voll bestätigt. „dass die adventistische Bewegung zu ihrer ursprünglichen Glaubenshaltung zurückkehrt.“ (S. 4) Was bedeutet das für Wilson? Es wird gewarnt vor Tabak, Alkohol und Koffein, er fordert auf zu einer gesunden vegetarischen Kost, fordert eine bescheidene Kleidung (gemeint ist sicherlich ein Verdikt für Frauen, Schmuck zu tragen) und die jungen Leute warnt er vor verderblicher Musik („Füllt euren Geist nicht mit Musik, die Gott nicht verherrlicht“ S. 4) Gegen diese Sätze ist im Prinzip kaum etwas einzuwenden. Die Frage ist nur, ob der höchste Repräsentant unserer Kirche die Gläubigen – und hier saß vor ihm die gesamte Führungselite unserer Kirche - als aktuelle Botschaft wirklich mit so Nebensächlichem konfrontieren sollte?! Seine Forderungen werden Auswirkungen haben, und das werden keine erfreulichen sein. Ich ahne schon, dass z. B. mit dem Satz über die Musik den streng orthodoxen Adventisten eine Handhabe geliefert worden ist, mit der sie gegen jegliche Form aktueller Musik einschließlich der dafür geeigneten Instrumente vorgehen könnten. Und ist es wirklich von Belang, ob alle Adventisten vegetarisch leben? Eine Glaubensschwester hörte vor einigen Jahren mit Entsetzen in einer großen Adventgemeinde in den USA im Schlussgebet nach der Predigt den Satz: „Und gib, Herr, das auch die deutschen Adventisten Vegetarier werden, damit du bald kommen kannst!“ Sollen solche Tendenzen nun wieder Auftrieb erhalten? Die normalen Menschen in unserem Land können ihr Leben durchaus sinnvoll gestalten und verzichten gern auf Belehrungen, die ihren Lebensstil betreffen, vor allem, wenn diese religiös verbrämt sind.

 

Natürlich fehlte auch in dieser Predigt nicht der Hinweis auf die Problematik der Schöpfungsdiskussion. Damit die Mitglieder des offiziell beauftragten Gremiums, die einen beschlussfähigen Passus für die Neuformulierung des entsprechendes Paragrafen unserer 28 Glaubenspunkte erstellen sollen, eine klare Anweisung erhalten, wiederholt Wilson seine Auffassung klar und deutlich: „Denke an deinen Namen, Siebenten-Tags-Adventist! Er sagt so viel aus. Der ‚siebte Tag’ bezieht sich auf Gottes Macht, in sechs buchstäblichen, aufeinander folgenden, aneinander angrenzenden Tagen von 24 Stunden diese Erde zu schaffen…“ (S. 5) In den nächsten Monaten wird sich zeigen, welchen Einfluss unsere Naturwissenschaftler noch haben.

 

An sich ist es richtig, wenn Ted Wilson fordert: „…nenne dich nicht nur einen ‚Adventisten’ und verbirg dich nicht hinter der Abkürzung ‚STA’.“ (S. 5)  Aber ist es realistisch, das zu fordern? Für den deutschen Sprachgebrauch ist der volle Namen einfach zu umständlich, zumal alle anderen christlichen Konfessionen deutlich kürzere Bezeichnungen benutzen. Das hat nichts mit einem deutschen Sonderweg zu tun, wie manche an dieser Stelle vielleicht wieder unterstellen, sondern ist einfach das Ergebnis realistischer Einschätzung der deutschen Sprache. Aber hier handelt es sich sicherlich nur um eine Randbemerkung, die Wilson hier formuliert.

 

Gravierender ist der Hinweis an junge Leute, die Wilson auffordert „aufzustehen und das große geistliche Vermächtnis wieder in den Mittelpunkt zu rücken.“ (S.4) Was ist damit gemeint, was ist verloren gegangen? „Sagt euren Pastoren, Jugendleitern und Lehrern, dass ihr einen soliden biblischen Unterricht mit Berücksichtigung des Geistes der Weissagung und ebensolche Predigten wollt.“ (S. 4) Wozu wird hier aufgefordert? Was könnte das für Konsequenzen haben? Sollen die jungen Leute, die hier angesprochen werden, womöglich diejenigen melden, also denunzieren, die sich nicht entsprechend den Erwartungen des Präsidenten verhalten? Was heißt hier, sie sollen „aufstehen“? Für die Institution, an der ich 45 Jahre gelehrt habe, weise ich den Vorwurf, keinen soliden biblischen Unterricht gegeben zu haben, entschieden zurück. Auch als Pastor fühle ich mich diffamiert! Wer so pauschal unterschwellig Verurteilungen ausspricht – auch wenn sie vielleicht nicht so gemeint sind – muss sich herbe Kritik gefallen lassen.

 

Dankenswert klar äußert sich Wilson zur Frage der inneradventistischen Tradition. „Ich wundere mich, wie manche Leute behaupten können, dass Siebenten-Tags-Adventisten den Geist der Weissagung anstelle der Bibel benutzen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein!“ (S. 5) Warum wundert sich Ted Wilson? Kennt er nicht auch Adventisten, die genau das machen, die gern und immer wieder die Bibel und die Schriften von EGW auf eine Stufe stellen? Gut, dass der Leiter unserer Kirche hier für Klarheit sorgt.

 

Und dann kommt Ted Wilson auf die beiden Hauptthemen unseres Namens zu sprechen. Die Wahrheit vom Sabbat wird „ein Prüfstein für die letzte Zeit sein“. Wenn wir die Botschaft des 3. Engels verkündigen, wird es darauf ankommen, deutlich zwischen den Trägern des Siegels und denen, die das Malzeichen tragen,  zu unterscheiden. Hier sollten wir „der Posaune einen deutlichen Klang geben.“ Weil die Frage Sabbat oder Sonntag so entscheidend ist, kommt Wilson zu einer bemerkenswerten Schlussfolgerung: „Darum sollten wir uns nicht auf irgendwelche anderen religiösen Organisationen oder ökumenischen Gruppierungen einlassen.“ (S. 6) Was meint Wilson hier mit „einlassen“? Verlässt er die bisher geltende Linie der Generalkonferenz und distanziert sich von den bisherigen und geplanten Konsensgesprächen mit anderen christlichen Kirchen? Man darf gespannt sein.

 

Zum Thema Wiederkunft folgt Wilson in dieser Predigt strikt der Linie seiner Atlanta-Predigt. Er erweckt den Eindruck, dass die Wiederkunft unmittelbar bevorstehe.“In allen Adventgemeinden soll laut und begeisternd verkündet werden, dass Jesus bald wiederkommt! … Sagt ihnen, dass jedes Auge diese unglaubliche Wiederkehr Jesu sehen wird …“ (S. 6) Wilson sieht natürlich das Problem: „Wir feiern das 150ste Jubiläum unseres wunderbaren Namens … sollte ein solches Ereignis einen gewissen Grad an Beklommenheit erzeugen … Wie kann eine Bewegung, deren einziger Auftrag es ist, die Welt auf das baldige Kommen Jesu vorzubereiten, sich über das 150ste Jubiläum ihres Namens freuen? Wie viele Jubiläen müssen wir noch erleben?“ (S. 7)

 

Eine theologische Lösung des Problems der Naherwartung bietet Wilson an, in dem er auf die Generalkonferenz von 1901 verweist. Hier erreicht die Predigt von Ted Wilson ihren theologisch-kritischen Höhepunkt. Auf der Agenda der Konferenz von 1901 standen zwei Punkte: Fragen der Organisation und die Ausgießung des Heiligen Geistes. Behandelt wurde nur die Reorganisation. Das 2. Thema aber sei jetzt aktuell. „Wir leben in der Zeit, in der Gott den Spätregen des Heiligen Geistes ausgießen will. Heute ist die Zeit da, dass der Gemeinde Gottes die Erfahrung des Spätregens geschenkt wird. Wir müssen den Herrn um diese Erfahrung und die Beendigung des Werkes Gottes durch seine Kraft bitten.“ (S. 9) Ted Wilson wollte offensichtlich diese Ansprache dazu nutzen, die Ausgießung des Spätregens real und konkret zu bewirken. „Die Frage, um die es heute geht, ist, ob Gott uns jetzt den Heiligen Geist geben kann, wie er es seit 1901 und schon vorher tun wollte.“ (S. 11) Da so etwas wie die Ausgießung des Heiligen Geistes in der Form des Spätregens nicht einfach spontan geschehen kann, hat die Generalkonferenz eigens zu diesem Zweck ein Komitee gegründet. „Wir haben ein besonderes Erweckungs- und Reformationskomitee, das gebetet und studiert hat, wie wir uns am besten auf diese große Ausgießung des Heiligen Geistes vorbereiten können.“ (S. 11) Und Ted Wilson ist überzeugt, dass die Anwesenden dieses Ereignis erleben werden. „Wir möchten sehen, wie Gott die Ausgießung des Spätregens erfüllt. Wir möchten sehen, dass Gottes Werk beendet wird. Wir möchten nach Hause in den Himmel gehen.“ (S. 11). Damit wäre das Problem der Naherwartung gelöst. Jetzt den Spätregen bewirken, und dann ist der Weg frei zur Beendigung des Werkes Gottes hier auf Erden – und ER kann kommen!

 

Voraussetzung für die Ausgießung des Spätregens ist allerdings Demut, Bekenntnis, Reue und ernsthaftes Gebet. Im Schlussteil seiner Botschaft geht Ted Wilson mit gutem Beispiel voran: „Heute möchte ich vor euch und meinem Gott meinen Stolz und meine Arroganz, meine Selbstsucht und mein Versäumnis bekennen, genügend Zeit mit Gott im Gebet, mit Bibelstudium und dem Studium des Geistes der Weissagung zu verbringen. Ich bekenne euch meinen Neid und meine Ich-bezogenheit. Ich bitte euch als meine Mitarbeiter in der Leitung um Vergebung.“ (S. 12) Niemand hat das Recht, an der Ernsthaftigkeit dieser Aussagen zu zweifeln. Aber wenn ich als Seelsorger mit dieser Thematik befasst war, habe ich immer Wert darauf gelegt, dass solche Bekenntnisse vor allem vor denen formuliert wurden, die real davon betroffen waren. Also keine allgemein formulierten Bekenntnisse, die in der Anonymität verbleiben..

 

Im Anschluss an dieses Bekenntnis wurde dann zu einer Gebetsgemeinschaft aufgerufen, die von Mitgliedern des Ausschusses für Erweckung und Reformation geleitet wurden. Ziel dieser Gebetsgemeinschaft war – und damit schließt die Botschaft des Präsidenten: „… die zur Ausgießung des Spätregens führen mögen.“ (S. 12)

 

Nun ist das mit dem Spätregen so eine Sache. Wir finden in unserer Literatur immer wieder den Hinweis auf die Begriffe Früh- und Spätregen. Als Ausgießung des Frühregens sehen wir die Pfingstereignisse der Urgemeinde an, und auf die Ausgießung des Spätregens warten wir als auf ein Ereignis, das zur Beendigung des Werkes Gottes auf Erden führen wird. Nun sollte man aber wissen, dass eine geistliche Übertragung dieser Begriffe an bestimmte Grenzen stößt. Zunächst gibt es offensichtlich eine textliche Schwierigkeit. Wenn wir uns auf Joel 2,23 beziehen, stehen da drei hebräische Begriffe für Regen. Da ist von Regen, Frühregen und Spätregen die Rede. Gott wird alle drei „Regenarten“ für Israel bereit halten. Die Zusage Gottes besteht darin, dass er den richtigen Regen zur rechten Zeit schenkt. (siehe 3.Mose 26,4; Hes. 34,26) Aber in Apg. 2 (Pfingstereignis) fehlt jeglicher meteorologische Hinweis. Da wird nur Joel 2, 1-5 zitiert. Selbst wenn wir trotzdem an dieser Deutung festhalten – Frühregen gleich Pfingstereignis – bleibt der Hinweis auf die Wirklichkeit der klimatischen Verhältnisse in Palästina zur Zeit Jesu. Danach entfielen auf den Früh- und den Spätregen maximal ca. 20 % der Jahresregenmenge. Für den Spätregen allein rechnete man mit ca. 4-8% der jährlichen Regenmenge. Die Hauptregenzeit lag dazwischen. – Ein Nebengedanke, der mir beim Studium dieses Themas kam: Das Symbol des Pfingstereignisses sind nicht etwa Regentropfen, sondern Feuerzungen!

 

Wenn ich hier eine geistliche Übertragung anstrebe, geht es doch vor allem darum, an der „Hauptregenmenge“ teilzuhaben. Das aber bedeutet, dass wir heute nicht auf ein zukünftiges Ereignis von geringerer Quantität warten sollten, sondern uns um die „Hauptmenge“ bemühen sollten. Jetzt ist die Zeit, in der Gott uns durch seinen Heiligen Geist „in Fülle“ segnen möchte. Nur darum sollte es vorrangig gehen; denn dadurch werden wir befähigt, die Aufgaben zu erfüllen, die Gott uns heute aufgetragen hat. Wenn wir den Heiligen Geist „in Fülle“ erleben, werden wir ein Leben führen können, das Andere nach Jesus Christus fragen lässt. Auch wenn EGW das Begriffspaar Frühregen und Spätregen benutzt, bleibt zu fragen, ob sie diese Ausdrücke als Paraphrase oder als Exegese gebraucht. Das sollen die Fachtheologen entscheiden. Für mich bleibt in diesem Zusammenhang die Frage: Bin ich geistlich schon so gereift, dass ich lediglich des minimalen Spätregens bedarf oder sollte ich nicht doch besser um die „Regengüsse der Hauptregenzeit“ bitten?

 

Zusammenfassung:

  • Ted Wilson bleibt sich treu in der Linie seiner Atlanta-Predigt.
  • Seine Schöpfungstheologie wird klar und eindeutig formuliert.
  • Nebensächliche Themenbereiche wie Kaffee trinken, Kleidung, Vegetarismus, Musikstile werden wieder ins Zentrum gerückt.
  • Und wieder wird dazu aufgefordert, sich gegen diejenigen zu stellen, die diesem Kurs nicht folgen.
  • Wilsons Sabbattheologie – die hier ausschließlich in Verbindung mit der Botschaft des 3. Engels aus Off. 14. gesehen wird – scheint ein Ende aller Konsensgespräche mit anderen christlichen Konfessionen anzudeuten.
  • Und wieder wird der Eindruck erweckt, als ob die Wiederkunft Christi unmittelbar bevorstünde.
  • Das Problem der Naherwartung wird gelöst durch die konkret herbeigebetete Ausgießung des Spätregens.
  • Eine kritische theologische Erörterung des Begriffspaars Frühregen und Spätregen unterbleibt.

 

Ich denke nicht, dass ich mich in meinem Kommentar zur Atlanta-Predigt geirrt habe. Ted Wilson möchte unsere Kirche wieder in einen Zustand versetzen, wie er vor Jahrzehnten bestand. Diesen Versuch zu starten, ist sein gutes Recht. Aber es auch unser gutes Recht, darauf kritisch zu reagieren. Damit bin ich beim zweiten Motiv dieses Kommentars. Unser Präsident ist ein rhetorisch höchst begabter Mann, und wenn man die Videoaufzeichnung zu Hilfe nimmt, könnte man zum Schluss kommen, dass hier ein begnadeter Redner vor seinem Volk steht. Ich wünsche mir von Herzen, dass dieser Mann nicht nur rückwärts blickt, alte Verhältnisse und Verhaltensweisen beschwört, sondern das Adventvolk ins 21. Jahrhundert führt, ihm neue Visionen vermittelt, neue Wege weist, einen Durchbruch in den vielen noch schwebenden theologischen Fragen ermöglicht. Die gesellschaftlichen Veränderungen um uns herum haben ein Tempo erreicht, dass uns manchmal der Atem stockt. Und diese Veränderungen haben Auswirkungen auf das Leben des Einzelnen und eben auch auf die Gemeinde. Ich hätte erwartet, dass unser Präsident seine Führungsmannschaft auf diese globalen Veränderungen einstimmt und hier klare biblische Botschaften formuliert. Der Rückgriff auf das früher Bewährte reicht nicht mehr.

 

Sicherlich fühlen sich manche extrem orthodox denkende Gläubige durch diese Art der Predigten ermutigt. Sie werden jetzt ihrer „Posaune einen klaren Ton“ geben. Umso wichtiger ist es, dass auch wir anderen deutliche Worte finden und den Kern adventistischen Glaubens und Lebens verteidigen: sola skriptura, sola fide, sola Christus. Mit diesem Kommentar möchte ich die große „schweigende Mehrheit“ in unseren Gemeinden ermutigen, klare Wort zu finden, um ihren Standpunkt zu verdeutlichen. Es ist schwer erträglich, dass in den letzten Monaten 12 – 15 Personen per Mail und andere Medien den Eindruck erweckt haben, dass sie die Stimme des Adventvolkes in Deutschland seien. Jeder darf in unserer Kirche seine Meinung äußern, aber es sollte doch eine ausgewogene Balance erreicht werden. Wo bleiben die kräftigen Stimmen der theologischen Mitte? Jeder Vogel braucht zum Fliegen zwei Flügel! Aber er kann nur fliegen, wenn beide in die gleiche Richtung zielen. Die im Internet zur Zeit kursierenden Texte lassen an dieser Zielrichtung zweifeln. Hier werden eher ab- und ausgrenzende Tendenzen sichtbar. Aber genau das liegt keinesfalls im Sinne der Predigten von Ted Wilson. Er spricht nicht von „Sichtung“, wie es in Deutschland zum Vokabular der extrem Rechten gehört. Lesen und hören wir aufmerksam das, was unsere leitenden Brüder in Deutschland in nächster Zukunft als programmatischen Impuls in die Gemeinden geben werden. Vertrauen wir darauf, dass jetzt die „Hauptregenzeit“ ist und Gott für uns alle den Heilgen Geist „in Fülle“ bereit hält.

L. E. Träder

Im November 2010