Die Bibelkonferenzen von 1919

Ein Hauptthema:

Die Autorität der Schriften von Ellen G. White und ihre Stellung in der Adventgemeinde

Veröffentlicht werden hier in deutscher Übersetzung
die  Protokollnotizen der Diskussion
vom 30. Juli und 1. August 1919
Einleitung und Ausblick: L. E. Träder
Übersetzung: U. Kaija
Februar 2011

Einleitung

Seit Jahren geistert immer wieder der Hinweis auf die Bibelkonferenzen von 1919 durch unsere Literatur. Im Herbst 1979 wurde zum ersten Mal in Deutschland über diese Tagungen ausführlich berichtet (im Rahmen eine AWA-Tagung in Freudenstadt), und als jüngste Erwähnung schreibt in der letzten Ausgabe von adventisten heute (Nr.2 / 2011) Johannes Hartlapp über diese Konferenzen (S. 15f).

Was hat es damit auf sich? In den USA standen sich zwei Meinungen in Bezug auf die Autorität der Schriften von E.G. White schroff gegenüber. Die eine Gruppe vertrat die Verbalinspiration und die Fehlerlosigkeit ihrer Schriften und die andere Gruppe lehnte beides ab. Zur zweiten Gruppe gehörte auch der damals amtierende Präsident der Generalkonferenz, Arthur G. Daniells. Um in dieser Frage Klarheit zu schaffen, wurden zwei Konferenzen anberaumt. Die erste fand als Bibelkonferenz vom 1. – 21. Juli in Takoma Park statt, und direkt anschließend waren die Bibel- und Geschichtslehrer eingeladen. Es waren 22 Delegierte verschiedener Colleges und Seminare anwesend. Zusätzlich nahmen einige Schriftleiter und Mitglieder der Generalkonferenz teil, sodass im Bericht von A. G. Daniells von etwa 50 Personen die Rede war.

Da nicht alle Themen während dieser Tage abschließend erörtert werden konnten, empfahl die Konferenz, für 1920 eine weitere Tagung einzuberufen. Leider fand diese Tagung nicht mehr statt, wahrscheinlich weil sich die erste Gruppe für einen längeren Zeitraum durchgesetzt hatte. Zudem wurde – wie auch immer und durch wen veranlasst – sämtliches Protokollmaterial unter Verschluss gehalten. Erst „durch Zufall“ entdeckte Dr. F. Donald Yost im Dezember 1974 zwei verschnürte Pakete (wohl auf dem Dachboden im Verwaltungsgebäude der Generalkonferenz). Er öffnete sie und fand ca. 2400 Seiten einer Mitschrift dieser Konferenz.

Ich habe von dieser Tagung zwei Tage ausgewählt – den 30. Juli und den 1. August 1919 – weil hier am intensivsten über die Autorität der Schriften von Ellen White und ihre Stellung in der Adventgemeinde diskutiert wurde. Als sehr bedeutsam werte ich die Tatsache, dass an dieser Diskussion Männer teilnahmen, die jahrzehntelang mit der Familie White eng zusammen gearbeitet haben. Viele waren oft Gast in ihrem Haus und waren zum Teil mit Ellen White befreundet. Diese Männer wussten, wovon sie redeten. Sie hatten Gelegenheit, aufkommende Fragen mit Ellen White direkt zu besprechen. In den Protokollen ist  davon oft die Rede. Tragisch ist nur, dass diese eindeutigen Aussagen, wie sie zum Beispiel ein Arthur Daniells seinen Zuhörern vortrug, in den folgenden Jahren keine Wirkung mehr hatten. Und da ich den Eindruck habe, dass wir im Augenblick wieder einer Zeit entgegen gehen, die zum Thema Autorität der Person und der Schriften von E.G. White eine neue Welle von Fragen aufwirft, habe ich einen Sponsor gesucht und gefunden, der es ermöglicht hat, eine deutsche Fassung der Protokollnotizen von zwei Tagen dieser Konferenz anzufertigen.

Da es sich um Gesprächsaufzeichnungen handelt, und die Übersetzerin möglichst nahe am Text bleiben sollte, wirkt die Übersetzung manchmal etwas holprig und ist auch grammatisch nicht immer ganz einwandfrei. Aber es sollte eben der Gesprächscharakter gewahrt bleiben.

Um schon vorab einige Hinweise auf die Schwerpunkte der Diskussion zu geben, zitiere ich ein paar Textstellen aus den Protokollen

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Es wurde nach Beweisen gefragt. Womit könnte bewiesen werden, dass E.G. White übernatürliche Inspirationen weitergab? Bruder Daniells lehnte alle Formen von Beweisen ab, die sich auf äußerliche Phänomene stützen. Gern wurde von manchen Predigern die Geschichte mit der schweren Bibel als Beweis erwähnt. „Zum Beispiel habe ich einige Pastoren predigen gehört und habe es auch geschrieben gesehen, dass Schwester White einmal eine schwere Bibel – ich glaube, sie sagten, sie wog 18 kg – auf ihrer ausgestreckten Hand trug, und während sie zum Himmel hinauf schaute, zitierte sie Texte und wandte die Seiten um … Ich weiß nicht, ob das jemals geschah oder nicht. Ich bin nicht sicher. Ich habe es nicht gesehen, und ich weiß nicht, dass ich jemals mit jemandem gesprochen habe, der es sah. … Nun, wie viel davon ist echt, und wie viel hat sich in die Geschichte eingeschlichen? Ich weiß es nicht. Aber ich denke nicht, dass dies die Art von Beweisen ist, die wir benutzen wollen.“[1] Das Wort „Legendenbildung“ wird zwar nicht benutzt, aber ich denke, dass ich Bruder Daniells richtig verstehe, wenn ich an dieser Stelle diesen Ausdruck erwähne. Kaum eine bedeutende Persönlichkeit ist davor gefeit, dass sich im Laufe der Zeit um seine Person gewisse Legenden bilden. Und das passierte eben auch bei E.G. White.(Bei meinem Besuch im Tresorraum des White Estate gab mir damals Bruder Delafield genau diese Bibel in die Hand und forderte mich auf, den Arm ausgestreckt zu halten. Es klappte, aber er nahm sie mir sehr bald wieder ab, damit nicht der Eindruck entstünde, als sei das etwas Alltägliches. Die Bibel war wirklich sehr schwer!)

Ein anderes Thema war die Frage, wie man die Bibel richtig verstehen könne. Nur mit Hilfe der „Zeugnisse“? Eindeutige Antwort des GK-Präsidenten: Nein! „… es ist nicht richtig, dass der Geist der Weissagung der einzige sichere Ausleger der Bibel ist. Das ist eine Irrlehre, eine falsche Sichtweise. … Das ist heidnisch!“[2] Damit hängt natürlich auch die Frage zusammen, wie die ersten Adventisten zu ihren biblischen Erkenntnissen kamen.  Stammten sie nur aus der Bibel, also als Ergebnis intensiven Forschens oder kamen sie zu neuen Erkenntnissen vor allem durch den Geist der Weissagung? Auch hier ist die Antwort eindeutig. „sie [die frühen Adventisten] durchsuchten diese Bibelstellen gemeinsam und studierten und beteten darüber, bis sie eine Übereinkunft hatten. Schwester White sagt in ihren Werken … dass ihr Verstand diesbezüglich blockiert war, und die Brüder arbeiteten sich vor. … Er gab dieses Buch [die Bibel], und Er gab Menschen Gehirne und Denkvermögen, um das Buch zu studieren.“[3]

Natürlich stellten die anwesenden Lehrer auch die Fragen nach der Verbindlichkeit der Gesundheitsvorschriften; denn sie wurden ja von ihren Studenten immer wieder mit diesen Fragen konfrontiert. Auch hier waren die Brüder, die mit EGW oft zusammen gewesen waren, einer Meinung. Daniells sagt dazu: „Es ist wohl bekannt, aus den Schriften selbst und vom persönlichen Kontakt mit Schwester White und vom gesunden Menschenverstand her, dass … die Anweisungen, die in den Zeugnissen gegeben werden, niemals als eine große, allumfassende Vorschrift für Essen und Trinken von Leuten gedacht waren und dass sie sich auf Einzelpersonen beziehen, entsprechend ihrer körperlichen Verfassung und entsprechend der Situation, in der sie sich befinden. … Schwester White war niemals fanatisch, sie war nie extrem. Sie war eine besonnene Frau. Sie war ausgeglichen. Ich stellte das fest während eines Zeitraums von vierzig Jahren des Umgangs mit ihr. Als wir unten in Texas waren und der alte Bruder White zusammenbrach, kaufte diese Frau [EGW] jeden Tag das schönste Wildfleisch zum Essen, und meine Frau kochte es, und  er setzte sich hin und aß davon und sagte:“Oh Ellen, das ist es!“ … Ich habe selbst an ihrem Tisch Pfunde von Butter und Dutzende von Eiern gegessen.“[4]

Mit diesen wenigen Hinweisen will ich es bewenden lassen. Die Lektüre der einzelnen Redebeiträge lässt uns erahnen, wie dramatisch manche Auseinandersetzung gewesen sein muss. Man liest nicht ohne innere Bewegung die Fragen und die Bekenntnisse. Die damals amtierenden Brüder der Generalkonferenz wagten es, manches offen auszusprechen, was zweifellos dazu führte, dass die Person und das Schrifttum von E. G. White realistischer gesehen wurden. Sie wurde von einem Thron geholt, auf den sie sich nie gesetzt hat. Niemand in dieser großen Diskussionsrunde dachte auch nur im entferntesten daran, das Schrifttum von E.G. White oder gar ihre Person irgendwie zu diskreditieren. Alle Teilnehmer, so jedenfalls mein Eindruck, waren fest davon überzeugt, dass der Gemeinde in der Person von E.G. White ein göttlicher Bote geschenkt worden war. Ohne sie  wäre die adventistische Kirche nicht das geworden, was sie heute ist. Aber schon damals war die Gefahr des Extremismus latent vorhanden, und zwar nicht durch die offizielle Leitung unserer Kirche und schon gar nicht durch E.G. White selbst, sondern die Gefahr ging  und geht bis heute von den „Whiteianern“ aus, Menschen, die auch heute noch an die Verbalinspiration und Fehlerlosigkeit ihres Schrifttums glauben. Hier kann der folgende Text Aufklärung bewirken.

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Protokoll der Bibelkonferenz im Jahr 1919, Ellen G. White betreffend

30. Juli 1919

Der Einsatz des Geistes der Weissagung in unserem Bibel- und Geschichtsunterricht

W. E. Howell: Unser Thema für diese Stunde, wie im Programm vereinbart, ist „Der Einsatz des Geistes der Weissagung in unserem Bibel- und Geschichtsunterricht“. Bruder Daniells ist heute Morgen bei uns, um sein Versprechen an unsere Lehrer zu erfüllen, uns diesbezüglich für eine Aussprache zur Verfügung zu stehen, und ich bin sicher, die Gelegenheit, dieser Frage weiter nachzugehen, wird ausgiebig wahrgenommen werden.

A. G. Daniells: Ich bin selbst etwas unsicher gewesen, welche Linie am besten verfolgt werden sollte. Es liegt so viel darin, dass es in einem Gespräch nicht vollständig dargestellt werden kann, und ich würde es bedauern, das Ziel zu verfehlen und das zu verfolgen, was euch nicht am meisten interessieren würde, und so entschied ich mich schließlich, dass ich ein Gespräch am runden Tisch vorziehen würde. Ich hätte es lieber, wenn ihr mir Fragen stellen würdet, und dann würde ich versuchen, auf solche Punkte einzugehen, die euch am meisten interessieren. Es ist mir vielleicht nicht möglich, eine weitere Aussprache hier zu haben, und ihr werdet wahrscheinlich keine Zeit haben, deshalb möchte ich diese Stunde so nutzbringend wie möglich gestalten. Zu Beginn werde ich einen oder zwei Punkte darstellen, so kurz ich kann, und dann werde ich den Weg einfach frei machen für Fragen.

Zuerst möchte ich wiederholen, was ich in dem Gespräch über dieses Thema einige Abende zuvor darlegte, dass ich nicht ein Wort sagen möchte, das das Vertrauen in diese Gabe an dieses Volk zerstört. Ich will keine Zweifel schüren. Ich will in keiner Weise den Wert der Schriften des Geistes der Weissagung herabsetzen. Ich habe selbst keine Zweifel. Ich weiß nicht, ob jeder Mann das sagen kann oder nicht, aber ich kann es ganz ehrlich sagen. Während der vierzig Jahre, die ich im Dienst bin, habe ich Verwirrungen erlebt. Ich habe ähnliche Dinge gefunden zu denen, auf die sich Petrus bezieht in den Briefen des Paulus – schwer zu verstehen. Ihr wisst, Petrus sagte das, und persönliche Zeugnisse kamen meines Wegs, die ich nicht verstehen konnte. Es ist für einen Mann eine bemerkenswerte Sache, nicht wahr, solch eine Botschaft zu erhalten? Aber das ist es, worauf fast alle Zweifler zurückgreifen, wenn sie von uns weggehen – sie erhielten eine Aussage, die sie nicht verstehen und glauben konnten. Ich konnte es damals nicht verstehen, aber die Zeit hat mir geholfen zu verstehen, und ich kam zu dem Schluss, dass wir nicht vom Standpunkt des Herrn aus sehen, und wir wissen nicht so viel, wie der Herr über uns weiß, und wenn Er uns Dinge offenbart, die wir nicht verstehen, dann ist es, weil Er mehr über uns und unsere Veranlagungen und Gefahren weiß als wir selbst.

Die erste, die ich erhielt, verursachte mir Bestürzung und beschuldigte mich heftig der – nun, ich will es auf die schlimmste Art sagen – Veranlagung, in Verwaltungsangelegenheiten über meine Brüder zu dominieren, ihnen nicht die Freiheit des Geistes und der Gedanken zu geben, die ihnen zustand. Ich verstand das nicht. Es schien nicht so zu sein. Ich fragte einige meiner guten Freunde, und sie sagten, sie hätten das nie gefühlt, und das brachte mich in noch größere Schwierigkeiten. Sogar einige Ausschussmitglieder hatten dies nie bemerkt. Was sollte ich tun? Sie waren nicht die richtigen Männer, um meine Informationen zu bekommen. Ich fand bald heraus, dass es einige Männer gab, die glaubten, dass die Botschaft richtig war. Innerhalb etwa eines Jahres bemerkte ich, wenn ich etwas nervös oder ausgelaugt war, eine sehr starke Tendenz, genau das zu tun; also nahm ich die Botschaft heraus und las sie unter Gebet noch einmal durch und bekannte es dem Herrn, und ich versuche die ganze Zeit, vor einem beherrschenden Geist auf der Hut zu sein, denn ich denke, es ist für einen Mann in einem Amt eine überaus widerwärtige Sache, damit anzufangen, es Leuten aufzubürden, die nicht im Amt sind; aber es liegt in der menschlichen Natur. Ihr habt die Geschichte des Iren gehört, der zum Vorarbeiter einer Arbeitskolonne in einem Abschnitt befördert wurde. Am nächsten Morgen ging er hinaus und sagte zu einem der Männer: „Timothy O’Brien, komm her.“ Als der Mann kam, sagte er zu ihm: „Ich entlasse dich heute früh, nicht weil ich etwas gegen dich habe, sondern um meine Autorität zu zeigen.“ [Gelächter]

Er hatte ein Amt erhalten, und das Allererste, was er tun wollte, war seine Autorität zu zeigen. Das ist die menschliche Natur, aber es ist nicht christlich, und es muss verabscheut und vermieden werden von jedem, der ein Amt erhält, ob es der Präsident der Generalkonferenz oder der Leiter einer Schule oder der Abteilungsleiter einer Schule ist. Alle sollten das vermeiden und jedem Menschen seine Rechte und Freiheit und seine Unabhängigkeit geben.

Wie ich sagte, mir sind Dinge begegnet, die schwer zu verstehen waren, aber die Zeit hat mir geholfen, sie zu verstehen, und ich kann heute Morgen ehrlich sagen, dass ich mit dieser Bewegung mitgehe, ohne jeden Zweifel in meinem Sinn. Wenn ich Positionen einnehme, die sich von denen anderer unterscheiden, ist das kein Beweis dafür, dass ich ein Zweifler bin. Ich mag ihre Ansichten oder ihre Interpretationen anzweifeln, aber das macht mich nicht zum Zweifler am Geist der Weissagung. Ich mag mit einem Mann nicht einig sein über seine Interpretation der Bibel, aber das macht mich nicht zum Zweifler an der Bibel. Aber es gibt Männer, die mich einfach zum Zweifler an den Zeugnissen machen, weil ich den Standpunkt vertrete, dass die Zeugnisse nicht verbal inspiriert sind, und dass sie von den Sekretärinnen aufbereitet und in die richtige grammatikalische Form gebracht wurden. Vor ein paar Jahren kam ein Mann in den Ernennungsausschuss und wollte mich aus der Präsidentschaft heraushalten, weil ich nicht glaubte, dass die Zeugnisse verbal inspiriert sind. Das war, weil ich in Theorie und Interpretation anderer Meinung war als er; aber ich bin derjenige, der sagt, ob ich die Zeugnisse anzweifle oder nicht, nicht wahr? [Stimmen: Ja, ja!] Und ihr seid es auch. Ich möchte den Eindruck hinterlassen, dass ich auf keine Weise versuche, irgendwelche Zweifel in euren Geist zu säen. Und oh, ich würde mich schrecklich fühlen, wenn diese Glaubensgemeinschaft ihren wahren, echten, richtigen Glauben an diese Gabe verlieren würde, die Gott dieser Kirche in diesen Botschaften gegeben hat, die uns erreicht haben. Ich will, dass wir dabei bleiben bis ganz zum Ende. [Amens].

Nun, bezüglich der Beweise: Ich stimme nicht mit einigen Brüdern überein, die Nachweise oder Beweise der Echtheit dieser Gabe zusammengestellt haben, in dieser Hinsicht glaube ich, der stärkste Beweis findet sich in den Früchten dieser Gabe an die Kirche, nicht in körperlichen und äußerlichen Bekundungen. Zum Beispiel habe ich einige Pastoren predigen gehört und habe es auch geschrieben gesehen, dass Schwester White einmal eine schwere Bibel – ich glaube, sie sagten, sie wog 18 kg – auf ihrer ausgestreckten Hand trug, und während sie zum Himmel hinauf schaute, zitierte sie Texte und wandte die Seiten um und zeigte auf die Texte mit ihren Augen auf den Himmel gerichtet. Ich weiß nicht, ob das jemals geschah oder nicht. Ich bin nicht sicher. Ich habe es nicht gesehen, und ich weiß nicht, dass ich jemals mit jemandem gesprochen habe, der es sah. Aber Brüder, ich betrachte so etwas nicht als einen sehr großen Beweis. Ich denke nicht, dass dies die beste Art von Beweis ist. Wenn ich ein Fremder in einer Zuhörerschaft wäre und einen Prediger sich darüber auslassen hören würde, dann hätte ich meine Zweifel. Das heißt, ich würde wissen wollen, ob er es sah. Er müsste sagen, nein, er sah es nicht. Dann würde ich fragen: „Hast du jemals den Mann gesehen, der es sah?“ Und er würde antworten müssen: „Nein, niemals.“

Nun, wie viel davon ist echt, und wie viel hat sich in die Geschichte eingeschlichen? Ich weiß es nicht. Aber ich denke nicht, dass dies die Art von Beweisen ist, die wir benutzen wollen. Es ist lange her, dass ich diese Art von Dingen vorgebracht habe – keinen Atemzug im Leib, und die Augen weit aufgerissen. Dies mag die Ausübung dieser Gabe in den ersten Tagen begleitet haben, aber sicherlich nicht in den letzten Tagen, und doch glaube ich, dass diese Gabe genau so echt und ausgeführt wurde, auf die gleiche Weise während dieser späteren Jahre, wie in den frühen Jahren.

C.P. Bollman: Gilt das Gleiche nicht für die Bibel? Kannst du sie nicht schätzen und an sie glauben wegen ihrer Früchte, was sie bewirkt, und nicht wegen der übernatürlichen Dinge, die darin erzählt werden?

A. G. Daniells: Ja. Zum Beispiel würde ich nicht die Geschichte von David, der einen Löwen und einen Bären tötet, oder von Simson, der einen Löwen tötet, nehmen und dies Nichtgläubigen oder Fremden als Beweis dafür, dass die Bibel inspiriert wurde, verkündigen, besonders nicht die von Simson. Dies ist der Weg, wie ich die Jungen und Mädchen unterrichten würde: Ich würde mit dem Beginn dieser Bewegung anfangen. Zu jener Zeit wurde dieser Person eine Gabe verliehen, und gleichzeitig mit der Gabe an diese Person kam die Bewegung der dreifachen Botschaft. Sie kamen im gleichen Jahr zusammen. Diese Gabe wurde in der Entwicklung dieser Bewegung stetig und mächtig ausgeübt. Die beiden waren unzertrennlich miteinander verknüpft, und siebzig Jahre lang erhielt diese Bewegung in all ihren Stadien Anweisungen durch diese Gabe.

Dann, für mich selbst, betrachte ich diese Stadien. Wir wollen die Bibel betrachten. Wie soll die Einstellung der Leute in dieser Bewegung zur Bibel sein? Wir wissen, dass dies unsere Autorität sein sollte, ohne ein Glaubensbekenntnis und ohne höhere Kritik. Dies ist das Buch. Die Einstellung, die wir heute haben, ist die richtige, so glauben wir – dieses Buch zu verherrlichen, unsere Anweisungen aus diesem Buch zu erhalten und dieses Buch zu verkündigen. Der ganze Erlösungsplan, alles, was für die Erlösung notwendig ist, steht in diesem Buch, und wir müssen uns an nichts außerhalb des Buches wenden, um erlöst zu werden. Dies war von Anfang an die Einstellung des Geistes der Weissagung zu diesem Buch gewesen, nicht wahr? [Stimmen: Ja.] Und ich meine – wir können dieser Gabe genauso Anerkennung zollen für unsere Einstellung zu diesem Buch wie jedem anderen Einfluss, den jemand ausgeübt hat.

Nehmen wir nun die Lehren der Bibel: In allen anderen Reformationen, die aufkamen, waren die Anführer nicht in der Lage, richtig zwischen allem Irrtum und aller Wahrheit zu unterscheiden – der Sabbat, Taufe, die Natur des Menschen etc. – und so lehrten sie öffentlich Irrtümer von diesem Buch. Aber jetzt, wenn wir zu dieser Bewegung kommen, finden wir die wunderbare Kraft der Unterscheidung auf Seiten des Geistes der Weissagung, und ich weiß von keiner einzigen Wahrheit in diesem Buch, der vom Geist der Weissagung widersprochen wird, noch von einem einzigen biblischen oder theologischen Irrtum, der durch das finstere Mittelalter überliefert wurde und vom Geist der Weissagung genährt und Leuten aufgezwungen wurde, den wir verwerfen müssen, wenn wir zu diesem Buch kommen. Die Lehrpunkte der Taufe, des Gesetzes, der Stelle und des Wertes und der Würde des Heiligen Geistes in der Kirche und all die anderen Lehren, die wir haben, sind durch diese Gabe unter uns erhöht worden.

Verfolgen wir eine andere Linie – die Aktivitäten der Kirche. Hier ist unsere Einstellung gegenüber Missionen im Ausland oder Weltevangelisation. Wer unter uns hat jemals größeren Einfluss im Interesse der Weltevangelisation ausgeübt?

Nehmen wir die Frage der großzügigen, selbstlosen Unterstützung des Werkes. Wenn ihr euch diesen Schriften zuwendet, findet ihr sie voller Ermahnungen, und wenn wir sie besser befolgen würden, als wir es tun, wären unsere Gaben größer, und unser Fortschritt wäre schneller.

Nehmen wir dann unsere Einstellung zu unserem Dienst, den wir unseren Mitmenschen erweisen sollen, christliche Hilfeleistungen – all jene Aktivitäten, wo ein Christ ein wahrer Segen sein sollte, eine selbstlose Person in der Gesellschaft, um Menschen in ihren Sorgen und Schicksalen zu helfen, ihrer Armut und Krankheit und in jeder Weise, in der sie Hilfe brauchen. Wir entdecken, dass in den Schriften des Geistes der Weissagung Ermunterungen zu einem selbstlosen Leben unter unseren Mitmenschen im Überfluss vorhanden sind.

Nehmen wir die Frage der Gesundheit und der medizinischen Missionsarbeit und all diese Aktivitäten, und nehmen wir den Dienst, der im Interesse der Jungen wachsen sollte. Wo in irgendeiner Bewegung, von der wir lesen, findet ihr bessere Anweisungen bezüglich der Aufmerksamkeit, die den jungen Leuten gewidmet werden sollte. Nehmt die Frage der Erziehung: Nun, Brüder, keiner unserer Lehrer hat jemals einen Vorsprung gehabt vor dem Ratgeber, dieser guten, ganzheitlichen Anleitung, die wir im Geist der Weissagung finden.

Diese Dinge zeige ich als wirklich überzeugenden Beweis für den Ursprung dieser Gabe und ihre Echtheit auf – nicht irgendwelche sichtbaren Darstellungen, die ein paar Leute gesehen haben. Ich habe keine Einwände, wenn Leute darüber sprechen, aber in der engen Arbeit mit Schülern würde ich sicher die Zeit nehmen, all diese tatsächlichen Fakten aufzuschreiben und sie den Schülern vorzulegen und zu zeigen, dass vom Anfang dieser Bewegung an diese Gabe unzertrennlich und eng und mächtig und energisch mit ihr verknüpft gewesen ist, die alles Gute verstärkt und alles Böse, so denke ich, verringert hat. Und wenn das kein Beweis für den Ursprung dieser Gabe unter uns ist, dann weiß ich nicht, was Beweis sein sollte.

W. E. Howell: Ich bin sicher, die Lehrer hätten gerne einige Vorschläge zum Gebrauch des Geistes der Weissagung und seiner Schriften in ihrer Lehrtätigkeit.

A. G. Daniells: Nun, stellt mir eine Frage, die konkret ist, auf eine bestimmte Weise.

C. L. Taylor: Ich möchte dich bitte, für uns den exegetischen Wert der Zeugnisse zu besprechen. Natürlich verstehen wir generell, dass es viele Texte gibt, auf die sie keinen Bezug nimmt. Es gibt viele Texte, die sie erklärte, und es mag andere Erklärungen geben, die gleichermaßen richtig sind und die sie nicht anrührt. Aber meine Frage wirklich ist: Können wir die Erklärungen der Schriftstellen akzeptieren, die sie gibt? Sind sie zuverlässig?

A. G. Daniells: Ich habe immer gespürt, dass sie es waren. Es kann sein, dass es in einigen sehr kritischen Dingen ein paar Schwierigkeiten geben könnte, aber ich habe die Schriften jahrelang dazu benutzt, die Gedanken in den Bibeltexten klarzustellen oder zu erläutern. Nehmt „Das Leben Jesu“ und „Patriarchen und Propheten“. Beim Durchlesen habe ich in vielen Fällen eine gute Erleuchtung gefunden.

Beantwortet das deine Frage? Meinst du, ob Schüler zu ihrer Interpretation der Bibel auf die Schriften zurückgreifen sollten oder um zusätzliche Erleuchtung zu bekommen? Das heißt, ist es notwendig, diese Schriften zu haben, um die Bibel zu verstehen? Müssen wir uns an ihre Erklärungen halten, um unser Verständnis der Bibel zu bekommen? Ist das die Frage, hängt das damit zusammen?

C. L. Taylor: Nicht direkt, aber möglicherweise indirekt. Aber ich werde ein konkreteres Beispiel geben. Wir wollen annehmen, dass ein Schüler kommt und um Hilfe bei einem bestimmten Bibeltext bittet, und er will wissen, was er bedeutet. Ist es angemessen für den Lehrer, diesen Bibeltext zu erklären, vielleicht zusammen mit anderen Bibelstellen, die den Text erhellen, und dann den Geist der Weissagung auch als zusätzliche Erleuchtung zum Text dazu zu nehmen? Oder angenommen, zwei Schüler sind sich über die Bedeutung eines Textes nicht einig, und sie kommen zum Lehrer, um herauszufinden, was er bedeutet. Sollte der Lehrer den Text erklären und dann die Zeugnisse verwenden, um seine Position zu unterstützen? Oder nehmen wir noch einen dritten Fall: Angenommen, dass zwei Brüder, beide von ihnen glauben an die Zeugnisse und natürlich in erster Hinsicht an die Bibel, über einen bestimmten Text eine Meinungsverschiedenheit haben: Ist es richtig für sie, dass sie beim Studieren dieses Textes den Geist der Weissagung dazu nehmen, um sie bei ihrem Verständnis des Textes zu unterstützen, oder sollten sie das völlig außer Frage lassen?

A. G. Daniells: Zum ersten Punkt denke ich, dass wir unsere Interpretation vorzugsweise aus diesem Buch nehmen. Ich denke, dass das Buch sich selbst erklärt, und ich denke, wir können das Buch grundsätzlich durch das Buch verstehen, ohne auf die Zeugnisse zurück zu greifen, um es zu beweisen.

W. E. Howell: Der Geist der Weissagung sagt, die Bibel ist ihr eigener Kommentator.

A. G. Daniells: Ja, aber ich habe Pastoren sagen hören, dass der Geist der Weissagung der Ausleger der Bibel ist. Ich hatte vor einigen Jahren bei der Generalkonferenz gehört, wie dies gepredigt wurde, als gesagt wurde, dass der einzige Weg, durch den wir die Bibel verstehen könnten, durch die Schriften des Geistes der Weissagung wären.

J. M. Anderson: Und er sagte auch „unfehlbarer Ausleger“.

C. M. Sorenson: Dieser Ausdruck wurde gestrichen. Das ist nicht unsere Einstellung.

A. G. Daniells: Es ist nicht unsere Einstellung, und es ist nicht richtig, dass der Geist der Weissagung der einzige sichere Ausleger der Bibel ist. Das ist eine Irrlehre, eine falsche Sichtweise. Sie wird keinen Bestand haben. Wie, meine Freunde, was hätten all die Leute seit den Tages des Johannes bis zur Gegenwart getan, wenn es keinen Weg gäbe, die Bibel zu verstehen, außer durch die Schriften des Geistes der Weissagung! Das ist eine furchtbare Einstellung! Das ist falsch, es ist ein Fehler. Es ist eindeutig gefährlich! Was tun die Leute drüben in Rumänien? Wir haben dort Hunderte von Sabbathaltern, die kein einziges Buch vom Geist der Weissagung gesehen haben. Was tun jene Leute in China? Können sie dieses Buch nur verstehen, wenn wir die Auslegung durch den Geist der Weissagung bekommen und ihnen das dann übermitteln? Das ist heidnisch!

L. L. Caviness: Verstehst du das so, dass die frühen Gläubigen ihr Verständnis von der Bibel bekamen, oder kam es durch den Geist der Weissagung?

A. G. Daniells: Sie erhielten ihr Wissen über die Heilige Schrift, während sie selbst sich durch die Schrift lasen. Es schmerzt mich zu hören, wie manche Leute reden, dass der Geist der Weissagung führte und den Pionieren alle Anweisungen, alle Lehren gab, und sie nahmen sie sofort an. Das entspricht selbst den Schriften nicht, den „Early Writings“. Es wird uns berichtet, wie es ihnen erging; sie durchsuchten diese Bibelstellen gemeinsam und studierten und beteten darüber, bis sie eine Übereinkunft erreichten. Schwester White sagt in ihren Werken, dass sie lange Zeit nicht verstehen konnte, dass ihr Verstand diesbezüglich blockiert war, und die Brüder arbeiteten sich vor. Sie brachte die Sabbatwahrheit nicht in diese Bewegung. Sie widersetzte sich der Sabbatwahrheit. Es schien ihr nicht richtig zu sein, als Bruder Bates sie ihr vorstellte. Aber sie erhielt Hilfe vom Herrn, und als ihr das klare Wissen auf diese Weise gegeben wurde, war sie schwach wie ein Kind und konnte die Theologie nicht verstehen, aber ihr wurde eine klare Linie gegeben, und von diesem Tag bis zu ihrem Tod wich sie keine Minute davon ab. Aber der Herr gab niemandem durch Offenbarung all das, was Er in diesem Buch gegeben hat. Er gab dieses Buch, und Er gab Menschen Gehirne und Denkvermögen, um das Buch zu studieren.

Ich würde in meinem Unterricht auf keinen Fall die Vorstellung vermitteln, dass sie dieses Buch nicht verstehen könnten, außer durch die Schriften von Schwester White. Ich würde Schülern, wie ich es Predigern und auf Predigertagungen tue, die Notwendigkeit aufzeigen, unser Verständnis der Bibel aus der Bibel selbst zu beziehen und den Geist der Weissagung dazu zu benutzen, unsere Sichtweise zu erweitern. Ich fordere sie auf, beim Studieren des Buches nicht faul zu sein und nicht gleich nach etwas zu stöbern, das zu einem Punkt geschrieben worden ist, den sie ohne Studieren einfach schlucken können. Ich denke, das wäre für unsere Pastoren eine sehr gefährliche Sache, in diese Gewohnheit zu verfallen. Und ich muss zugeben, da gibt es einige, die auf die Jagd gehen, um eine Aussage in den Zeugnissen zu finden, und dem tiefer gehenden Studium des Buches keine Zeit widmen. Sie haben keinen Geschmack daran, und wenn sie sich umschauen und etwas finden, das schon ausformuliert ist, sind sie froh, das aufzunehmen, und fahren fort, ohne die Bibel zu studieren. Das ernsthafte Studium der Bibel ist die Geborgenheit, die Sicherheit eines Menschen. Er muss zum Buch selbst kommen und sie durch sorgfältiges Studieren erreichen, und dann, was er auch findet im Geist der Weissagung oder in irgendwelchen anderen Schriften, die ihm helfen und ihn erhellen und seinen Blick dafür schärfen – das ist in Ordnung. Deckt das deinen Punkt ab?

C. L. Taylor: Das tut es bis zu einem gewissen Grad; und doch, wenn du den Fall jener zwei Brüder nimmst, die die Bibel und die Zeugnisse akzeptieren, aber immer noch verschiedener Meinung in der Auslegung sind, für die sie Hilfe wollen -, ist es richtig für sie, beim Studium dieses Textes sowohl die Zeugnisse als auch die Bibel zu verwenden?

A. G. Daniells: Ich denke, es ist richtig, zu diesem Thema die ganze Richtung der Lehre und des Denkens zu nehmen, die durch die Zeugnisse vermittelt wird. Wenn ich wegen eines Textes verwirrt bin und finde in meinem Studium des Geistes der Weissagung etwas, das Klarheit bringt, dann nehme ich das. Ich denke, Bruder Prescott zeigt das in diesem Fall von Matthäus 24, für den im Geist der Weissagung ein deutlicher Leitfaden ist.

W. W. Prescott: Zwei oder drei Jahre lang verbrachte ich viel Zeit mit dem Studium des 8. Kapitels von Daniel, um das zu bekommen, von dem ich dachte, dass es die richtige Auslegung dieses Kapitels wäre. Einmal war ich an dem Punkt angekommen, an dem ich spürte, dass ich das klarer sehen musste, wo ich es gebrauchen konnte, und ich machte daraus ein besonderes Gebetsanliegen. Ich war drüben in England, hielt mich im Heim eines Bruders dort auf. Es kam zu mir so wie eine Stimme: „Lies, was drüber in ‚Patriarchen und Propheten‘ steht.“ Ich drehte mich geradewegs um nach einem Bücherregal hinter mir und nahm „Patriarchen und Propheten“ und begann es durchzusehen. Ich kam genau zu dem Kapitel, das sich mit dem Thema beschäftigte, und ich fand genau die Sache, die ich wollte, um zu diesem Thema Klarheit in meinem Kopf zu bekommen. Es half mir sehr. Dies, Bruder Daniells, ist meine eigene persönliche Erfahrung zu dieser Angelegenheit, die Bruder Taylor zur Sprache bringt.

Im Zusammenhang mit dem was Bruder Taylor fragte, möchte ich dies vorschlagen: Ob eine Bemerkung über den Geist der Weissagung zu der Autorisierten Version diese Version als die korrekte Version entgegen der Revidierten Version festlegt, und wenn jemand die Revidierte Version akzeptierte, würde dies die Bemerkung verwerfen, die im Geist der Weissagung gemacht wurde. Ich habe einen bestimmten Fall im Sinn.

A. G. Daniells: Nur noch zu diesem anderen Punkt. Ich hatte eine ähnliche Erfahrung, als ich das letzte Mal in Europa war, als ich sehr aufgeregt war über die Vollendung dieses Werks. Ich fühlte mich deswegen so besorgt, und ich sagte: „Herr, was ist die unerlässliche, wichtige Sache, die notwendig ist, um dieses Werk vollendet zu bekommen?“ Ich war in Friedensau und betete in meinem Zimmer ernsthaft um diese Angelegenheit. Und auf meinen Knien nahm ich dieses kleine Buch „Christi Gleichnisse“ und begann zu lesen. Ich war wirklich vom Beten erschöpft und hörte auf, um ein wenig zu lesen, und das erste, was ich fand, war dies: [nicht anhand des Buches überprüft] „… Empfange den Geist Christi, du wirst wachsen und Früchte bringen. Dein Glaube wird zunehmen, deine Überzeugungen werden tiefer, deine Liebe wird vervollkommnet. Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede etc. Diese Frucht kann nie verderben. Wenn die Frucht hervor gebracht wird, legt Er sofort die Sichel an, denn die Ernte ist reif. Das ist die Vollendung des Werkes. Christus wartet mit sehnsüchtigem Wunsch auf Seine Offenbarung in Seiner Kirche. Wenn das Wesen Christi sich in seinem Volk vollkommen abbildet, dann wird Er kommen, um Sein Eigen in Anspruch zu nehmen. Es ist das Vorrecht jedes Christen, nicht nur danach Ausschau zu halten, sondern das Kommen des Herrn Jesus Christus zu beschleunigen. Würden alle, die Seinen Namen bekennen, zu Seiner Ehre Früchte tragen, wie rasch würde die ganze Welt mit dem Samen des Evangeliums gesät sein! Schnell würde die letzte große Ernte gereift sein, und Christus würde kommen, um das kostbare Korn einzusammeln.“

Ich blieb einfach auf meinen Knien und lobte Gott für diesen Lichtschimmer, der zu mir kam. Es brauchte diesen Text in Markus: „Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.“ Er zeigt genau die Schritte, die getan werden müssen. Von diesem Tag an bis heute habe ich gespürt, dass diese Glaubensgemeinschaft auf ihren Knien sein und um die Erfüllung mit dem Heiligen Geist beten sollte, damit wir das Werk schnell vollenden können.

So, Bruder Taylor, ich denke, dass die Einstellung, die durch die Anmerkungen im Geist der Weissagung deutlich gemacht wird, die sichere Einstellung sein sollte.

W. E. Howell: Ich machte zu diesem gleichen Punkt eine kleine Erfahrung, die mir während dieser Konferenz einfiel, und sie beeindruckte mich. Ich hatte immer einen Teil des fünften Kapitels des Hebräerbuches als Lehrer beansprucht. Ich hatte vom Standpunkt eines Lehrers oft Hilfe suchend darauf zurückgegriffen. Letzte Woche hatten wir hier den göttlichen Ruf zu lehren studiert, und ich wandte mich an dieses Kapitel wegen eines Gedankens, und im Zusammenhang damit las ich eine Anmerkung im Geist der Weissagung. Ich denke, der Geist des Herrn führte mich dahin. Für den Lehrer steht da: „Wer das Menschliche verändern will, muss selbst das Menschliche verstehen.“ Ich dachte, dass wäre für den Lehrer gut. „Nur durch Mitgefühl, Glaube und Liebe können Menschen erreicht und erhöht werden. Hier steht Christus offenbart als der Meisterlehrer. Von allen, die jemals auf der Erde gelebt haben, hat er allein das vollkommene Verständnis der menschlichen Seele.“ Dann kommt dieser Text aus dem fünften Kapitel (in der Lutherbibel das 4. Kapitel) des Hebräerbuches: „Wir haben nicht einen Hohepriester – Meisterlehrer, denn die Priester waren Lehrer – der nicht könnte mitleiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir.“ Dies warf einen Lichtschein auf das fünfte (vierte) Kapitel Hebräerbuches, den ich nie zuvor des empfangen hatte. Dann nahm ich den Gedanken des Hohenpriesters als ein Meisterlehrer, und ich fand die beste Beschreibung der Qualifikationen für einen Lehrer, die ich überhaupt an irgend einer Stelle in der Bibel finden konnte; und jetzt beanspruche ich das ganze fünfte Kapitel für den Lehrer.

F. M. Wilcox: Ich habe hier einen Absatz, den ich gerne vorlesen würde. Dies ist so absolut in Übereinstimmung mit dem, was Bruder Daniells geäußert hat, dass ich dachte, ich würde es gerne vorlesen. James White schrieb dies im Review von 1851, und es wurde vier Jahre später noch einmal veröffentlicht, als Ausdruck dessen, was er damals als den Standpunkt der Glaubensgemeinschaft hinsichtlich der Zeugnisse erachtete: „Gaben der Evangeliumskirche“:

„Die Gaben des Geistes sollten alle ihren angemessenen Platz haben. Die Bibel ist ein ewiger Fels. Sie ist unsere Richtschnur des Glaubens und der Taten. In ihr ist der Mensch Gottes ‚durch und durch ausgestattet für alle guten Werke‘. Wenn alle Mitglieder der Kirche Christi heilig, harmlos und von Sündern getrennt wären und die Heiligen Schriften gewissenhaft und unter viel Gebet um Pflichtbewusstsein mit der Hilfe des Heiligen Geistes studieren würden, dann, denken wir, wären sie in der Lage, ihre ganze Verpflichtung ‚in allen guten Werken‘ zu entdecken. So ‚könnte der Mensch Gottes perfekt sein‘. Doch da das Gegenteil existiert und immer da gewesen ist, hat Gott in großer Gnade Mitleid mit der Schwachheit seines Volkes und hat die Gaben in die Evangeliumskirche gegeben, um unsere Fehler zu korrigieren und uns zu seinem lebendigen Wort zu führen. Paulus sagt, dass sie zur ‚Vervollkommnung der Heiligen‘ dienen, ‚bis wir alle zur Einheit des Glaubens gelangen‘. Die äußerste Notwendigkeit der Kirche in ihrer Unvollkommenheit ist Gottes Möglichkeit, den Geist zu offenbaren.

Jeder Christ ist daher verpflichtet, die Bibel als vollkommene Richtschnur des Glaubens und der Pflicht zu nehmen. Er sollte inbrünstig beten, dass ihm der Heilige Geist bei der Erforschung der Schrift nach der ganzen Wahrheit und nach seiner ganzen Verpflichtung hilft. Es steht ihm nicht frei, sich von ihr abzuwenden und seine Pflicht durch irgendeine andere der Gaben zu erfahren. Wir sagen, dass er im selben Moment, wo er das tut, den Gaben einen falschen Stellenwert gibt und einen äußerst gefährlichen Standpunkt einnimmt. Das Wort sollte an erste Stelle stehen, das Auge der Kirche sollte darauf ruhen als der Regel, nach der gelebt wird, und der Quelle der Weisheit, von der die Pflicht ‚in allen guten Werken‘ gelernt wird. Aber wenn sich ein Teil der Kirche von den Wahrheiten der Bibel abwendet und schwach und kränklich wird und die Herde sich zerstreut, so dass es für Gott notwendig erscheint, die Gaben des Geistes einzusetzen, um zu korrigieren, zu beleben und den Irrtum zu heilen, sollten wir ihn wirken lassen. Ja, mehr noch, wir sollten darum beten, dass er wirkt, und ernsthaft flehen, dass er durch die Macht des Geistes wirkt und die zerstreuten Schafe zu seiner Herde bringt. Lobet den Herrn, er wird wirken. Amen.“ – Review and Herald vom 21. April 1851.

Wir schrieben den obigen Artikel über die Gaben der Evangeliumskirche vor vier Jahren. Er wurde im ersten Jahrgang des Review veröffentlicht. Ein Ziel der Wiederveröffentlichung ist es, dass unsere Leser für sich selbst sehen können, wie unsere Einstellung zu diesem Thema seit jeher gewesen ist, dass sie besser darauf vorbereitet sind, die Aussagen jener zu abzutun, die versuchen, uns zu schaden.

Die Einstellung, dass die Bibel, und nur die Bibel, die Richtschnur des Glaubens und der Taten ist, schließt die Gaben, die Gott der Kirche gegeben hat, nicht aus. Sie abzulehnen heißt, jenen Teil der Bibel auszuschließen, der sie darlegt. Wir sagen: Lasst uns eine ganze Bibel haben, und lasst uns das, und nur das, unsere Richtschnur des Glaubens und der Taten sein. Setzt die Gaben dahin, wo sie hingehören, und alles ist im Einklang. – Review and Herald vom 3. Oktober 1854.

W. W. Prescott: Wie sollten wir die Schriften des Geistes der Weissagung als eine Autorität benutzen, um geschichtliche Fragen zu klären?

A. G. Daniells: Nun, wie ich es verstehe, behauptete Schwester White nie, eine Autorität in Geschichte zu sein, und sie behauptete nie, eine dogmatische Theologielehrerin zu sein. Sie entwarf nie einen Theologiekurs, wie Frau Eddys Buch über das Lehren. Sie gab einfach nur bruchstückhafte Aussagen heraus, aber überließ es den Pastoren und Evangelisten und Predigern, all diese Probleme der Schrift und der Theologie und der Geschichte auszuarbeiten. Sie behauptete nie, eine Autorität in Geschichte zu sein; wie ich es verstanden habe, verarbeitete sie Geschichte in ihren Schriften, wo die Geschichte, die mit der Interpretation der Prophetie zusammenhing, klar und ausdrucksvoll war; aber ich habe es immer so verstanden, sofern es sie betraf, dass sie bereit war, bei der Überarbeitung solche Aussagen richtig zu stellen, von denen sie dachte, dass sie korrigiert werden sollten. Ich habe mich niemals ihren Schriften zugewandt und die Geschichte, die ich in ihren Schriften fand, als eindeutige Aussagen der Geschichte in Bezug auf die Erfüllung der Prophetie betrachtet. Ich weiß nicht, wie andere das sehen mögen, aber ich habe gespürt, dass ich mit der Geschichte auf die gleiche Weise umgehen sollte, wie ich ermahnt werde, es mit der Bibel zu tun – alles sorgfältig und gründlich zu prüfen, und sie dann weitermachen zu lassen und von Zeit zu Zeit die Überarbeitungen vorzunehmen, die am besten erscheinen.

Noch ein weitere Gedanke: Ihr wisst nun etwas über das kleine Buch „Das Leben des Paulus“. Ihr kennt die Schwierigkeiten, in die wir deswegen gerieten. Wir konnten niemals Anspruch auf Inspiration bei dem ganzen Gedankengut und der Zusammenstellung des Buches erheben, denn es wurde verworfen, weil es schlecht zusammengestellt war. Es wurden keine richtigen Quellen angegeben, und einiges davon schlich sich in den „Großen Kampf“ ein – das Fehlen von Quellenangaben, und bei der Überarbeitung dieses Buches wurden diese sorgfältig ermittelt und richtig gestellt. Persönlich hat dies meinen Glauben niemals erschüttert, aber es gibt Männer, die dadurch sehr verletzt worden sind, und ich denke, es ist, weil sie zu viel von diesen Schriften forderten. Gebt ihm das volle Gewicht, so wie Gott es festgesetzt hat, und dann, denke ich, werden wir ohne Zittern dastehen, wenn einige dieser Dinge auftauchen, die wir nicht mit unserer Theorie in Einklang bringen können.

W. W. Prescott: Da gibt es eine andere Erfahrung, von der ihr wisst, die auf das zutrifft, was Bruder Taylor erwähnt hat. Einige der Brüder hier erinnern sich gut an einen ernsthaften Streit über die Interpretation des 8. Kapitels des Buches Daniel, und es gab einige der Brüder, die sich gegen das stellten, was die neue Sichtweise genannt wurde, und sie nahmen ihre Schriften, um ihre Position zu untermauern. Sie schrieb an jene Brüder und wies sie an, ihre Schriften nicht zu benutzen, um diesen Streit beizulegen. Ich meine, daran sollte gedacht werden, dass es ihr eigener Rat war, als Brüder, die behaupteten, an die Bibel und den Geist der Weissagung zu glauben, wegen einer Interpretation nicht einer Meinung waren, und es war ein öffentlicher Streit.

J. N. Anderson: Wie weit würdest du diese Aussage von Schwester White als eine allgemeine Aussage über ihre Schriften nehmen?

A. G. Daniells: Ich denke, damals bezog sie sich speziell auf diesen Fall, aber ich denke, wir müssen in anderen Fällen die gleiche Beurteilung über den Gebrauch ihrer Schriften anwenden.

C. A. Shull: Wie genau sollten wir die Zeugnisse im Klassenzimmer benutzen? Wie sollte unsere Einstellung zu ihnen sein, besonders in Bezug auf Geschichte? Bevor ich wusste, dass es im Geist der Weissagung eine Aussage bezüglich des Erlebnisses von Johannes gab, sagte ich der Klasse, dass es eine Überlieferung gab, nach der Johannes in einen Kessel mit kochendem Öl geworfen wurde, und sofort zeigte ein Schüler diese Aussage in den Zeugnissen, dass Johannes in das kochende Öl geworfen wurde. Nun, ich will wissen, wurde ihr eine göttliche Offenbarung gegeben, dass Johannes in ein Fass mit kochendem Öl geworfen wurde?

Nun eine andere Frage, die Eroberung von Babylon. Frau White erwähnt im Geist der Weissagung, dass dem Geschichtsschreiber zufolge Babylon erobert wurde, indem die Wasserzufuhr umgeleitet wurde. Die moderne Wissenschaft sagt, es wurde nicht auf diese Weise erobert. Wie sollte unsere Einstellung bezüglich solcher Dinge sein?

Frau Williams: Dieser Frage stehen wir jedes Jahr gegenüber.

E. F. Albertsworth: Ich bin in meinen Klassen von Studenten konfrontiert worden, die mit den Zeugnissen ankommen in dem Bestreben, eine Frage damit beizulegen, indem sie zitieren, wo sie sagt: „Mir wurde gezeigt“. Sie sagten, dass alle Dinge auf diese Weise beigelegt werden müssen. Ich wollte wissen, welche Haltung wir zu einer Frage dieser Art einnehmen sollen.

C. P. Bollmann: Würde diese letzte Frage nicht ein konkretes Beispiel erfordern?

A. G. Daniells: Ja, Ich denke, das würde es.

E. F. Albertsworth: Ich erinnere mich nicht an das Beispiel, aber einige der Schüler sagten, dass es bedeutete, sie hatte eine direkte Offenbarung, und andere sagten, dass es ihr von Leuten um sie herum gezeigt wurde.

A. G. Daniells: Ich glaube nicht, dass es das bedeutet, wenn sie das sagt. Wenn es ihr gezeigt wurde, dann war es durch den Engel oder die Offenbarung, die sie erhielt. Ich bin sicher, das war ihre Meinung.

E. F. Albertsworth: Ich habe Schüler gefunden, die darüber Zweifel hatten.

Sollte EGW dazu benutzt werden, Fragen zu Bibelübersetzungen zu klären?

W. G. Wirth: Angenommen, wir haben einen Streit über autorisierte und revidierte Versionen?

A. G. Daniells: Diese Frage kam schon früher auf. Ihr dürft mich nicht als Autorität betrachten, denn in der Sache bin ich genau wie ihr. Ich muss mir meine eigene Meinung bilden. Ich glaube nicht, dass Schwester White überhaupt die Sicherheit einer Übersetzung festlegen wollte. Ich glaube nicht, dass sie das im Sinn hatte oder dass sie irgendetwas damit zu tun hatte, ihr Siegel der Anerkennung auf die autorisierte Version oder auf die revidierte Version zu drücken, wenn sie sie zitierte. Sie benutzt die Version, die ihr dabei hilft, den Gedanken, den sie hat, am deutlichsten auszudrücken.

Bezüglich dieser geschichtlichen Angelegenheit kann ich nicht mehr sagen, als was ich gesagt habe, dass ich es nie so verstanden habe, dass Schwester White versprach, historische Fragen zu klären. Ich besuchte sie einmal wegen dieser Angelegenheit des „Täglichen“, und ich nahm diese alte Darstellung mit mir, die früheste Grafik, zu der wir Zugang haben …

C. P. Bollmann: Das gleiche Bild, das Bruder Haskell verkauft?

A. G. Daniells: Ja, es war das gleiche Bild. Ich nahm es und legte es auf ihren Schoß, und ich nahm „Early Writings“ und las ihr vor, und dann erzählte ich ihr von dem Streit. Ich verbrachte eine lange Zeit mit ihr. Es war einer ihrer Tage, an denen sie sich fröhlich und ausgeruht fühlte, und so erklärte ich es ihr ziemlich ausführlich. Ich sagte: „Nun, hier sagst du, dass dir gezeigt wurde, dass die Meinung über das ‚Tägliche‘, das die Brüder haben, richtig war. Nun“, sagte ich, „hier in diesem ‚Täglichen‘, das du zitierst, sind zwei Teile. Einer ist diese Zeitspanne, die 2300 Jahre, und der andere ist, was das ‚Tägliche‘ selbst war.

Ich ging das mit ihr durch, und jedes Mal, wenn ich zu dieser Zeit kam, sagte sie: „Nun, ich weiß, was mir gezeigt wurde, dass dieser Zeitraum von 2300 Jahren festgelegt wurde, und dass danach keine bestimmte Zeit mehr sein würde. Die Brüder hatten Recht, als sie bei dem Datum 1844 ankamen.“

Dann ließ ich das stehen und redete weiter über dieses „Tägliche“. „Nun“, sagte sie, „Bruder Daniells, ich weiß nicht, was dieses ‚Tägliche‘ ist, ob es Heidentum oder Christi Dienst ist. Das war es nicht, was mir gezeigt wurde.“ Und sofort fiel sie in diese Schattenwelt. Dann, als ich zurück kam auf die 2300 Jahre, richtete sie sich auf und sagte: „Das ist die Sache, von der wir uns nie abwenden können. Ich sage dir, ich kann mich niemals von diesem Zeitraum 2300 Jahre abwenden. Es wurde mir gezeigt, dass das festgesetzt wurde.“

Und ich glaube, das war es, Brüder. Ihr könnt genauso gut versuchen, mich aus dieser Welt zu heben, wie ihr versuchen könnt, mich in dieser Angelegenheit zu bewegen – nicht weil sie es sagt, aber ich glaube, es wurde ihr vom Herrn deutlich gezeigt. Aber in dieser anderen, wenn sie sagt, ihr wurde nicht gezeigt, was das ‚Tägliche‘ war, dann glaube ich das, und ich nehme die „Early Writings“ in der Frage des „Täglichen“ zu 100 % ernst, die diese Zeitspanne festlegen. Das ist die Sache, über die sie redet, und ich nehme die Bibel dazu, und ich nehme die Bibel wörtlich bezüglich dessen, was das „Tägliche“ selbst ist.

Wenn es also zu diesen geschichtlichen Fragen über die Eroberung Babylons kommt, dann denke ich dies, Brüder. Wir sollten uns nicht durch jede kleine Aussage, die wir in der Geschichte finden, vom Geist der Weissagung wegführen lassen. Ihr wisst, Geschichtsschreiber widersprechen einander, nicht wahr? Natürlich ist es eure Aufgabe, zurück, zurück, zurück zur Urquelle zu gelangen, der ursprünglichen Sache, und wenn ihr dahin zurück kommt, und alles vollkommen klar seht, dann glaube ich nicht, dass wenn Schwester White hier wäre, um heute zu euch zu sprechen, sie euch ermächtigen würde, eine historische Tatsache, als Tatsache angenommen, die sie in das Buch eingefügt hat, zu nehmen und sie der tatsächlichen Sache in der Geschichte gegenüberzustellen. Wir sprachen mit ihr darüber, als der „Große Kampf“ revidiert wurde, und ich habe Briefe in meinen Akten dort im Tresorraum, in denen wir davor gewarnt werden, Schwester White als Historikerin zu benutzen. Sie behauptete nie, das zu sein. Wir wurden davor gewarnt, Aussagen, die in ihren Schriften gefunden werden, verschiedenen geschichtlichen Aussagen zu einer Sache gegenüberzustellen. Das ist mein Standpunkt. Ich muss keine Schüler treffen, und ich muss mich in nicht in einer Versammlung erklären. Ich vermute, ich habe es leichter als ihr Lehrer.

W. W. Prescott: Zu genau diesem Punkt, den du erwähnst bezüglich der Eroberung Babylons, eine der neuesten Bibelausgaben (?) nimmt die Position des Herodot gegen die ____ ein, und er sagt: „Warum sollten wir die Pergamentschriften verwerfen zugunsten der Schriften auf Ton?“

A. G. Daniells: Das ist es, was ich meine, dass wir nicht jeder historischen Aussage, die wir finden und die den Zeugnissen widerspricht, erlauben sollten, uns in Aufruhr zu bringen. Wenn es zwei gleichwertige Autoritäten in diesem Punkt gibt, hebt die Autorität hervor, die im Einklang mit dem ist, was wir haben.

C. A. Shull: Auf uns Lehrern liegt eine große Verantwortung, die richtige Haltung einzunehmen. Wenn wir sagen, dass eine bestimmte Sache in den Zeugnissen nicht richtig ist, sind die Schüler geneigt, den Eindruck mitzunehmen, dass wir kein Vertrauen in die Zeugnisse haben.

A. G. Daniells: Es gibt zwei Wege, Schüler in dieser Sache zu verletzen. Einer ist, die Zeugnisse zu verwerfen und sie ein wenig in Frage oder in Zweifel zu stellen. Ich würde das niemals im Klassenraum tun, Brüder. Egal wie ratlos ich wäre, ich würde bei einem Schüler niemals Zweifel erwecken. Ich würde Stunden damit verbringen, Dinge zu erklären, um den Schüler darin zu verwurzeln. Zweifel und Grübeln zu erwecken, ist eine Art, einen Schüler zu verletzen. Ein anderer Weg ist, eine extreme und unvertretbare Haltung einzunehmen. Ihr könnt das tun und darüber hinweg gehen, aber wenn dieser Schüler hinaus geht und mit Dingen in Kontakt kommt, könnte er erschüttert sein und vielleicht direkt aus- und abgeschüttelt werden. Ich denke, wir sollten offen und ehrlich sein und niemals eine Behauptung aufstellen, die nicht gut begründet ist, einfach nur, um glaubhaft dazustehen. Ihr müsst vorsichtig sein, wenn ihr dies unterrichtet, weil viele der Schüler von ihren Eltern Dinge gehört haben, die nicht so sind, und sie haben von Predigern Dinge gehört, die nicht so sind, deshalb ist ihre Grundlage falsch.

Ich muss wiederum auf die Einstellung von A. T. Jones zurückkommen. In seiner Glanzzeit, wisst ihr, verschlang er die ganze Sache, und er hätte einen Mann wegen eines Wortes gehängt. Ich hatte gesehen, wie er nur ein Wort aus den Zeugnissen nahm, und sich daran festklammerte, und das regelte alles – nur ein Wort. Ich war bei ihm, als er eine Entdeckung machte, oder wenn er es nicht tat, dann schien es, als ob es so wäre – und das war, dass es in den Zeugnissen und Schriften von Schwester White Worte gab, von denen sie keine Anweisung von Gott hatte, sie dort einzufügen; dass es dort Worte gab, die sie nicht durch göttliche Inspiration einfügte, wo der Herr die Worte auswählte, sondern wo jemand geholfen hatte, das richtig zu stellen. Also nahm er zwei Zeugnisse und verglich sie, und er geriet in große Schwierigkeiten. Er machte weiter mit Dr. Kellog, wo er die Dinge einfach in Stücke zerlesen konnte.

F. M. Wilcox: Zurück in den 60ern oder 70ern fasste die Generalkonferenz in einer Sitzung diesen Beschluss – sie sagten, wir erkennen an, dass die Zeugnisse unter großem Druck und großer Belastung durch die Umstände zusammengestellt worden sind und dass die Formulierung nicht immer die glücklichste ist, und wir empfehlen ihre erneute Veröffentlichung mit solchen Veränderungen, die sie auf einen gewissen Standard bringen.

A. G. Daniells: Ich hätte diesen Beschluss gerne in den Händen. Nun, Brüder, ich will euch ehrlich fragen, ob es hier einen Mann gibt, bei dem Zweifel über meine Haltung und die Einstellungen aufgekommen sind, die ich vertrete? [STIMMEN: Nein! Nein!] Oder gibt es da einen von euch, der denkt, dass ich wegen der Zeugnisse schwanke? – Ich will nicht sagen, dass […] denkt, meine Position ist nicht genau richtig, weil ihr mir nicht zustimmt, aber von dem, was ich gesagt habe, gibt es da eine Neigung, die euch veranlassen könnte zu glauben, dass ich schwankend bin, und dass ich euch irgendwann dazu verhelfen würde, euch von den Zeugnissen abzubringen? [Mehrere entschiedene Neins waren zu hören.]

C. L. Taylor: Bei deiner Rede einige Abende zuvor stimmte ich dir in allem, was du sagtest, 100 % zu. Heute habe ich nur eine Frage im Sinn.

A. G. Daniells: Heraus damit.

C. L. Taylor: Sie betrifft diese äußerlichen Erscheinungsformen, diese Dinge von vielleicht übernatürlicher Art. Ich weiß nicht, ob du beabsichtigst, den Eindruck zu vermitteln, dass du diese ablehnst oder dass du sie einfach nicht lehren würdest. Wenn es so ist, dass du sie nicht als Beweis anführen würdest, dass das Werk inspiriert ist, dann stimme ich dir von Herzen zu. Andererseits, wenn du die Einstellung hast, dass diese Dinge nicht zuverlässig sind, dass Bruder Loughborough und andere sich hinsichtlich dieser Dinge irren, dann müsste ich dir widersprechen.

A. G. Daniells: Nein, ich lehne sie nicht ab, noch glaube ich nicht an sie; aber sie sind nicht die Art von Beweis, die ich bei Schülern oder bei Nichtgläubigen anwenden würde.

C. L. Taylor: Damit stimme ich überein.

A. G. Daniells: Ich stelle sie nicht in Frage, aber ich denke nicht, dass sie die beste Art von Beweis sind, die man vorbringen kann. Zum Beispiel, ich denke nicht, die beste Art von Beweis, den ich einer Zuhörerschaft für die Sabbatfrage oder die Natur des Menschen oder die Taufe liefern könnte, wäre hinzugehen und ihnen Schwester Whites Schriften vorzulesen. Ich glaube, der beste Beweis, den ich geben kann, ist die Bibel. Vielleicht erinnert ihr euch, dass es mir zufiel, Schwester Whites Beerdigungspredigt zu halten, und wenn ihr euch erinnert, nahm ich diese Gelegenheit wahr, Nachweise für ihre hohe Berufung zu geben. Ich zählte keine lange Liste von Früchten und übernatürlichen Ereignissen auf. Ich wusste, die Sache würde in Hunderten von Zeitschriften in der ganzen Welt veröffentlicht werden, und ich wollte ihnen etwas geben, was von hoher Autorität war, und dies ist es, was ich sagte:

Erstens, dass sie zum Wort Gottes stand, vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung, in all seinen Lehren.

Dann stand sie zur Menschheit in den höchsten Bemühungen, der Menschheit zu helfen – indem sie diese Punkte vervollkommnete.

Dies ist, es, was ich meine, Bruder Taylor, aber ich verwerfe diese anderen Dinge nicht.

Was ich wissen will, Brüder, ist dies: Scheint meine Position von solch einer Art zu sein, dass ihr dazu geneigt wäret zu denken, dass ich schwanke? [STIMMEN: Nein!] Wenn ihr das denkt, dann sagt es gerade heraus! Ich will das nicht tun, aber ich muss ehrlich sein, - ich kann mich in einer Sache wie dieser nicht verstellen. Ich habe sie etwa vierzig Jahre lang unerschüttert durchgestanden, und ich denke, es ist eine sichere Position; aber wenn ich dazu gedrängt würde die Position einzunehmen, die einige gegenüber den Zeugnissen haben, dann wäre ich erschüttert. [STIMME: Das ist richtig!] Ich würde nicht wissen, wo ich stehen sollte, denn ich kann nicht sagen, dass weiß schwarz ist und dass schwarz weiß ist.

H. C. Lacey: Wir haben keinen Zweifel, dass du an die Zeugnisse glaubst, aber macht es dir etwas aus, wenn ich noch eine persönliche Bemerkung hinzufüge?

A. G. Daniells: Nein.

H. C. Lacey: Es ist so: Jene, die dich nicht gehört haben, so wie wir, nehmen die andere Seite der Frage – einige von ihnen sagen mit Absicht, dass weder du noch Professor Prescott an die Zeugnisse glauben. Zum Beispiel, ich ging zu Mt. Vernon und traf dort die Abschlussklasse, und als die Übungen zu Ende waren, hatte ich mit drei oder vier dieser jungen Leute ein privates Gespräch, und sie sagten mir, dass sie sicherlich verstünden, dass die Männer der Generalkonferenz hier unten – sie meinten nicht mich oder Bruder Sorenson – nicht an die Zeugnisse glaubten.

W. W. Prescott: Du sagst uns nichts Neues.

H. C. Lacey: Wir als Lehrer sind in einer schrecklich schweren Lage. Wir sind bei den Fragen, die hier gestellt wurden, fast auf dem Grund angelangt, aber die Schüler gehen in manchen von diesen Dingen ganz auf den Grund, und wir müssen hier etwas tiefer gehen. Es gibt hier in diesen Tagungen Leute, die es nicht wagen, bestimmte Fragen zu stellen, die ihnen in den Sinn gekommen und in privaten Gesprächen aufgekommen sind. Aber ihr wisst, dass der Lehrer einen sehr schweren Stand hat.

In dieser Sache der Eroberung von Babylon habe ich mich frei gefühlt zu sagen, dass ich dachte, die Beweise belegten, dass Cyrus es nicht auf diese Weise eroberte, aber dass wir die Sache in der Schwebe lassen und sie einfach untersuchen sollten. Angenommen nun, weitere Tafeln würden auftauchen und andere Belege würden erbracht werden, die unwiderruflich beweisen, dass Cyrus Babylon nicht auf diese Weise eroberte, wäre es richtig zu sagen, dass, wenn es eine Überarbeitung des Buches gäbe – „Patriarchen und Propheten“,  das in einem beiläufigen Satz diese alte Sichtweise bestätigt – die Überarbeitung in Einklang gebracht werden würde mit kürzlich entdeckten Fakten?

A. G. Daniells: Ich denke, das ist die Position, die Schwester White einnimmt. Ich denke, das ist es, was sie getan hat. Ich verstand es nie so, dass sie Unfehlbarkeit in geschichtliche Zitate legte.

H. C. Lacey: Aber es gibt einige, die das so verstehen.

W. W. Prescott: Es ist interessant zu wissen, dass selbst ein höherer Kritiker wie George Adams Smith hier mit Herodot übereinstimmt.

Bruder Daniells sprach über diese Frage der äußerlichen Erscheinungsformen als Beweise. Einer dieser Beweise ist gewesen, dass die Augen offen waren, wie ihr euch erinnert, und auf diese Textstelle im 24. Kapitel von 4. Mose wird immer Bezug genommen, um zu zeigen, dass dies damit im Einklang steht. Aber wenn ihr die überarbeitete Version lest, findet ihr folgenden Text: „Und er nahm dieses Gleichnis und sagte, Bileam, der Sohn Beors, sagte: Und der Mann, dessen Auge geschlossen war, sprach:“ In diesem Text steht es genau anders herum. Dann würde ich dies nicht als ein Argument dafür benutzen, dass die Augen des Propheten offen waren.

A. G. Daniells: Das ist es, was ich meine mit dem Bezug auf untergeordnete Dinge.

H. C. Lacey: In unserer Einschätzung des Geistes der Weissagung, liegt sein Wert für uns nicht mehr im geistlichen Licht, das er auf unsere Herzen und unser Leben wirft, als in der intellektuellen Genauigkeit in historischen und theologischen Angelegenheiten? Sollten wir nicht jene Schriften als die Stimme des Geistes an unsere Herzen betrachten statt der Stimme des Lehrers zu unseren Köpfen? Und ist nicht der letztendliche Beweis des Geistes der Weissagung eher sein geistlicher Wert als seine geschichtliche Genauigkeit?

A. G. Daniells: Ja, das denke ich.

J. N. Anderson: Würdest du die Dinge so erklären, wie du es heute Morgen tatst? Würdest du erklären, dass du nicht glaubst, dass die Zeugnisse in Sachen geschichtlicher Daten als endgültig betrachtet werden sollten, um eine Position zu vertreten?

A. G. Daniells: Wer unterrichtet in der Schule den Geist der Weissagung? Ist es der Bibellehrer? Wie kommt diese Frage bei den Schülern auf?

C. L. Taylor: Sowohl Bibellehrer als auch Geschichtslehrer fangen sie auf.

W. H. Wakeham: Sie taucht in jedem Bibelunterricht auf.

H. C. Lacey: Wäre es nicht eine großartige Sache, wenn eine kleine Broschüre geschrieben würde, die auf leicht verständliche, einfache und überschaubare Weise die Fakten beschreibt, wie wir sie haben – einfache, heilige Fakten – die wir in die Hände der fragenden Schüler geben könnten?

Stimme: Unsere Feinde würden sie überall veröffentlichen.

C. L. Benson: Ich denke, es wäre eine großartige Sache, wenn unsere Brüder etwas konservativ in diesen Dingen wären. Wir hatten einen Mann, der zu unserem Verband kam und eineinhalb Stunden mit den Nachweisen des Geistes der Weissagung durch Schwester White verbrachte. Es wurde der Eindruck erweckt, dass praktisch jedes Wort, das sie sagte, und jeder Buchstabe, den sie schrieb, ob persönlich oder nicht, eine göttliche Eingebung war. Diese Dinge machen es unseren Lehrern und Pastoren furchtbar schwer.

W. G. Wirth: Ich will unterstützen, was Professor Lacey vorgebracht hat. Ich wünschte, ihr Männer der Generalkonferenz würdet etwas für uns herausbringen, denn wir sind diejenigen, die leiden.

W. W. Prescott: Ich weiß ganz sicher, dass ein sehr ernsthafter Antrag dazu von ihrem Büro gestellt wurde, solch eine Erklärung herauszubringen, aber sie taten es nicht.

C. P. Bollman: Doch der Antrag war nicht an sie gerichtet.

W. W. Prescott: Nein, aber er war an diejenigen gerichtet, die ihre Manuskripte bearbeiten.

A. G. Daniells: Einige dieser Aussagen wie die, die Bruder Wilcox hier heute Morgen vorgelesen hat, sind mehrmals aufgetaucht, und Bruder White bezog immer eine gute, einfühlsame Position.

W. W. Prescott: Bruder Wilcox hatte einen Brief von Schwester White selbst, den er vorlas.

A. G. Daniells: Als um diese Dinge sehr heftig gestritten wurde, sandte W.C. White für seine Mutter Dinge aus, die wir hier in unseren Tresoren hatten und die dies sehr einschränkten und halfen, diese Falten auszubügeln und eine vernünftige Basis zu schaffen, auf der man stehen konnte. Ich weiß nicht, aber vielleicht kann die Generalkonferenz einen Ausschuss ernennen, um dies zu tun, mit zuverlässigen, verantwortlichen Männern, die die Leute gar nicht in Frage stellen, und sich darum zu kümmern und alle diese Fakten auf den Tisch zu legen. Es scheint mir, dass es in unseren Schulen eine Übereinkunft unter den Lehrern geben muss. Die Geschichts- und Bibellehrer und die anderen, die mit diesen Dingen zu tun haben, sollten sich zusammensetzen und ihre Geschichten und ihren Unterricht aufeinander abstimmen, wenn möglich. Jenen Schülern sollte die Wahrheit gesagt werden, und wenn ihr ihnen die Wahrheit gebt, werdet ihr sie ohne Schwierigkeiten darin gründen und festigen. Aber wenn ihr ihnen diese fehlerhaften Ansichten gebt, bekommen sie eine falsche Vorstellung, und dann besteht Gefahr, wenn ein ehrlicher Mensch die richtige Seite einnimmt und seine Stellung vertritt.

W. E. Howell: Es scheint mir, dass der Punkt sehr wichtig ist. Ich bin über diese Angelegenheit etwas verwirrt gewesen. Wir haben hier sehr frank und frei über Dinge gesprochen, bei der anderen Sitzung und bei dieser, und ich denke, die Lehrer hier [sic] sind alle zufrieden mit der Position, die dem Geist der Weissagung in Bezug auf ihre Arbeit eingeräumt wird. Aber wenn diese Lehrer zurück an ihren Arbeitsstellen sind, werden sie allen Arten von Fragen ausgesetzt sein, und für mich stellt sich die Frage, wie weit ein Lehrer mit einer Klasse junger Leute oder mit einer wahllos zusammengestellten Gruppe gehen soll, um die Dinge, die er hier gehört und empfangen hat und an die er glaubt, zu behandeln und vorzubringen. Ich denke, darin wird die Schwierigkeit liegen. Wir haben hier nur zwei Lehrer von einem ganzen Lehrkörper. Einige andere Mitglieder des Lehrkörpers mögen über diese Dinge keine klare Vorstellung haben. Es könnte Lehrer geben, die bemüht sind, aus dem Geist der Weissagung Wissenschaft zu unterrichten; oder ein anderer Lehrer, der nicht den Vorteil dieser Diskussion hatte, könnte einen anderen Standpunkt haben. Und das bringt diese Lehrer in eine sehr schwierige Lage. Wenn irgendetwas getan werden kann, um den Lehrern etwas in die Hand zu geben, damit sie die Angelegenheit richtig vertreten können, dann denke ich, das wäre eine große Hilfe.

W. W. Prescott: Kannst du erklären, wie es sein kann, dass zwei Brüder sich nicht einig sind über die Inspiration der Bibel, einer vertritt die Verbalinspiration und der andere ist dagegen, und doch entsteht überhaupt kein Aufruhr in der Gemeinschaft. Das ist genau die Situation, die wir vor uns haben. Aber wenn zwei Brüder die gleiche Einstellung zum Geist der Weissagung haben, einer vertritt die Verbalinspiration und der andere verneint das, dann wird derjenige, der nicht an die Verbalinspiration glaubt, in Verruf gebracht.

F. M. Wilcox: Glaubst du, dass ein Mensch, der nicht an die Verbalinspiration der Bibel glaubt, an die Bibel glaubt.

W. W. Prescott: Das macht mir überhaupt keine Sorgen. Ich habe selbst eine andere Ansicht. Wenn ein Mensch nicht an die Verbalinspiration der Bibel glaubt, steht er immer noch gut da; aber wenn er sagt, er glaubt nicht an die Verbalinspiration der Zeugnisse, wird er sofort abgetan. Ich denke, das ist eine ungesunde Situation. Sie setzt den Geist der Weissagung über die Bibel.

W. G. Wirth: Wirklich, das ist mein größtes Problem. Ich werde sicherlich in Misskredit fallen, wenn ich zurück gehe und diese Ansicht mitteile. Ich hätte gerne eine veröffentlichte Erklärung, herausgegeben von denen, die dieses Werk leiten, damit diese Sache, wenn sie auftauchen sollte, von einer Autorität gestützt wäre, denn ich werde deswegen eine Menge Schwierigkeiten haben. Ich hätte gerne gesehen, dass etwas getan wird, denn diese Ausbildung geht einfach weiter, und unsere Schüler werden ausgesandt mit der Vorstellung, dass die Zeugnisse verbal inspiriert sind, und wehe dem Mann da draußen, wo ich bin, der damit nicht einhergeht.

Nun, was die Gesundheitsreform betrifft: Häufig kommt ein Schüler zu mir und zitiert, was Schwester White sagt über Butter. Aber wir servieren weiter Butter auf unseren Tischen. Und sie bringen das Thema Fleisch auf, wie es unter keinen Umständen gegessen werden darf. Und ich weiß, das ist unvernünftig, und es gibt Zeiten, wo es notwendig ist, Fleisch zu essen. Was sollten wir damit tun? Ich hätte gerne etwas Licht auf diese Einzelheiten, ob wir sie ganz wörtlich nehmen sollten.

A. G. Daniells: Ich bin bereit, einen Teil hiervon zu beantworten, denn ich hatte das etwa tausend Mal. Nehmt diese Frage der Gesundheitsreform. Es ist wohlbekannt, aus den Schriften selbst und vom persönlichen Kontakt mit Schwester White und vom gesunden Menschenverstand her, dass – bezüglich Reisen und dem Wissensstand in verschiedenen Teilen der Welt – die Anweisungen, die in den Zeugnissen gegeben werden, niemals als eine große, allumfassende Vorschrift für Essen und Trinken von Leuten gedacht waren und dass sie sich auf Einzelpersonen beziehen, entsprechend ihrer körperlichen Verfassung und entsprechend der Situation, in der sie sich befinden. Ich habe das unseren Pastoren in Predigertagungen immer so erklärt. Wir hatten eine Predigertagung drüben in Skandinavien, und dort hatten wir einen Mann aus dem „Land der Mitternachtssonne“ oben in Hammerfest, wo niemals eine Banane oder ein Apfel oder ein Pfirsich wächst und kaum etwas Grünes überhaupt. Fast immer gibt es dort Schnee und Kälte, und die Leute leben größtenteils von Fisch und verschiedenen Speisen aus Tieren, die sie dort bekommen. Wir hatten einen Krankenpfleger von Christiania als Missionar dort hinauf gesandt. Er hatte die Vorstellung einer strengen Diät entsprechend der Zeugnisse, und er rührte weder einen Fisch noch ein Stück Rentierfleisch noch irgend eine andere Art von tierischen Nahrungsmitteln an, und es ging ihm schlecht, weil Missionare, die hinausgesandt werden, nicht viel Geld haben, und sie können keine frischen Früchte importieren; und es war in den Tagen, wo nicht einmal Konserven häufig verschickt wurden. Der Kamerad hungerte sich fast zu Tode. Er kam herunter, um an der Tagung teilzunehmen, und er war fast so weiß wie dein Kleid [an Schwester Williams gewandt]. Er hatte kaum noch Blut in seinem Leib. Ich redete mit ihm, und ich sagte: „Bruder Olson, was ist los mit dir? Wir werden dich von dort wegnehmen müssen, wenn es nicht besser mit dir wird. Du hast keine roten Blutkörperchen in deinem Blut.“ Ich sprach eine Weile mit ihm, und schließlich frage ich ihn: „Wovon lebst du?“

„Nun“, sagte er, „ich lebe hauptsächlich vom Nordwind.“

Ich sagte: „Du siehst ganz sicher danach aus.“

Wir redeten weiter, und ich fand heraus, dass der Mann außer Kartoffeln und stärkehaltigen Nahrungsmitteln fast nichts aß – eine sehr eingeschränkte Diät. Ich fuhr ihn an mit all dem Schrecken, den ich in ihm erwecken konnte, wegen solch einer Torheit.

Stimme: Hast du einen Eindruck hinterlassen?

A. G. Daniells: Ja, das tat ich. Und ich brachte andere Brüder dazu, sich mir anzuschließen. Wir sagten dem Mann, dass er da oben begraben werden würde, wenn er versuchte, so zu leben. Wir redeten geradeaus mit ihm darüber.

Als ich in dieses Land zurückkam, sprach ich mit Schwester White darüber, und sie sagte: „Warum benutzen die Leute nicht ihren gesunden Menschenverstand? Warum wissen sie nicht, dass wir beherrscht werden müssen durch die Orte, an denen wir uns befinden?“ In einem kleinen Zeugnis werdet ihr eine Warnung hingeworfen finden, die die extremen Aussagen, die gemacht wurden, einschränkt.

F. M. Wilcox: Schwester White sagt in einer Ausgabe des Instructor, dass es einige Schichten gibt, denen sie nicht sagen würde, sie sollten kein Fleisch essen.

A. G. Daniells: Es gibt sehr gewissenhafte Menschen und Pastoren, die sich sehr davor fürchten, etwas zu essen, das sie nicht sollten. Genau zu diesem Punkt sagt Paulus, dass das Reich Gottes nicht Fleisch oder Getränk ist, sondern Gerechtigkeit und Frieden, und dass wir arbeiten und versuchen, zum Reich Gottes zu kommen, auf der Grundlage von Werken durch essen oder nicht essen wie durch alle anderen Dinge in dieser Welt. Ihr könnt niemals Vegetarismus als den Weg zum Himmel darlegen. Ich war drüben in Indien gewesen, wo sie sehr streng bezüglich ihrer Nahrung sind, aber sie werden auf diese Weise nicht gerecht.

C. L. Taylor: Das gilt für alle Werke, nicht wahr?

A. G. Daniells: Sicher. Nimm Männer, die niemals einem Stück tierischer Nahrung erlaubt haben, über ihre Lippen zu gehen, und einige von ihnen sind die herrschsüchtigsten und brutalsten Männer, und wenn wir versuchen, sie mit dem Evangelium zu erreichen, müssen wir ihnen sagen, dass dies nicht der Weg zu Gott ist, dass sie kommen und an den Herrn Jesus Christus glauben müssen und sich Seine Gerechtigkeit zurechnen lassen müssen aufgrund von Bekennen, Vergebung und all dem. Wir haben unter uns Leute, die genauso in der Gefahr stehen zu versuchen, diese Gerechtigkeit durch Werke in der Sache von Diätvorschriften zu begründen, wie die Welt es mit anderen Dingen tut. Ihr wisst aus dem, was Schwester White in der Sache der Gerechtigkeit geschrieben hat, dass es nicht ihre Absicht war, essen und trinken als den Weg zum Himmel zu benennen. Es hat seinen Platz. Es ist wichtig, und ich würde es nicht gerne sehen, wenn diese Glaubensgemeinschaft sich abwenden und der Position anderer Glaubensgemeinschaften zuwenden würde; aber ich höre nicht gerne von Lehren, die dieses Volk reduzieren auf essen und trinken, um Gerechtigkeit zu erlangen, denn Paulus sagte, das ist nicht der Weg. Ich denke nicht, dass in der Veröffentlichung einiger dieser Dinge die notwendige Vorsicht angebracht wurde, und ich habe das Schwester White gesagt.

Frau Williams: Du meinst, sie zu veröffentlichen?

A. G. Daniells: Ja, als sie geschrieben wurden. Ich sagte Schwester White, mir scheint, wenn die Bedingungen in den arktischen Regionen und im Herzen Chinas und an anderen Orten berücksichtigt worden wären, wären einige dieser Dinge angepasst worden. „Nun“, sagte sie, „ja, wenn die Leute nicht ihr eigenes Urteilsvermögen benutzen werden, dann müssen wir das für sie richtig stellen.“ Es schien mir so vernünftig. Schwester White war niemals fanatisch, sie war nie extrem. Sie war eine besonnene Frau. Sie war ausgeglichen. Ich stellte das fest während eines Zeitraums von vierzig Jahren des Umgangs mit ihr. Als wir unten in Texas waren und der alte Bruder White zusammenbrach, kaufte diese Frau jeden Tag das schönste Wildfleisch zum Essen, und meine Frau kochte es, und er setzte sich hin und aß davon und sagte: „Oh Ellen, das ist es!“ Sie hielt ihn nicht aufrecht und verlangte von ihm, von einer Stärkediät zu leben! Ich fand sie immer ausgeglichen. Es gibt einige Leute, die extrem sind, die fanatisch sind, aber ich denke nicht, wir sollten solchen Leuten erlauben, die Bühne zu übernehmen und diese Glaubensgemeinschaft zu führen. Wenigstens schlage ich nicht vor, das zu tun. Und doch glaube ich, dass wir alle Vorsicht und alle Sorgfalt aufwenden sollten, die zur Erhaltung der Gesundheit erforderlich ist. Und Brüder, ich habe versucht, es zu tun, aber ich habe nicht mein ganzes Leben lang nach dem strengsten Diätplan gelebt, der hier steht. Ich musste in der ganzen Welt herumreisen, und wie ihr wisst, musste ich mich all den Krankheitserregern aussetzen. An manchen Orten meiner Reise musste ich mit sehr wenig Essen auskommen, und ich habe auf Rädern gelebt und unter großem Druck, und als ich im Jahr 1901 damit anfing, wurde vorhergesagt, dass zehn Jahre mir den Rest geben würden und ich entweder ein gebrochener, sitzen gebliebener alter Mann sein würde oder im Grab. So redeten meine Freunde, und sie hatten Mitleid mit mir und bedauerten, dass ich jemals diese Stellung annahm; aber ich sagte mir: „Durch die Gnade Gottes werde ich auf jede mögliche Art genau richtig leben, soweit ich es weiß, um meine Kräfte zu erhalten.“ Dies ist mein 19. Jahr, und ich bin nicht zusammengebrochen, und ich bin nicht sitzen geblieben oder im Grab. Ich bin stark, und es geht mir gut. Ich bin müde, aber ich kann ausgeruht werden. Ich habe versucht, ehrlich und wahrhaftig dem gegenüber zu sein, was meiner Ansicht nach das Richtige zu tun ist, und das hat mich gesund und stark erhalten. Das ist die Grundlage, auf der ich beabsichtige zu arbeiten. Ich beabsichtige nicht, mir von einem Extremisten das Gesetz vorleben zu lassen bezüglich dessen, was ich im Herzen Chinas essen soll. Ich beabsichtige, meinen Verstand zu benutzen in Bezug auf das, was ich an solchen Orten essen sollte, wo man kaum etwas Grünes bekommen kann.

Frau Williams: In Zentralafrika mussten wir alles kochen, was wir aßen, um die Keime abzutöten.

A. G. Daniells: Nun ja, in China musst du deine Hände und dein Messer sterilisieren, und wenn du einen Apfel isst, muss er nach dem Schälen sterilisiert werden, und nicht einmal dann ist es immer sicher. Ich glaube nicht, dass wir in der Frage der Nahrung für alle Schichten eine extreme Position einnehmen müssen. Wir sind nicht alle gleich. Was gut für einen Menschen ist, ist nicht gut für einen anderen. Ich habe gesehen, wie Bruder Irwin abends, bevor er zu Bett ging, zwei oder drei rohe Äpfel aß, aber mich würde ein Apfel abends so plagen, dass meine Zunge pelzig und mein Kopf anschwellen würde. Ich würde keinen essen, wenn ihr mir fünf Dollars geben würdet. Ich nenne das Gesundheitsreform, das abzulehnen, von dem ich weiß, dass es mir schadet, und das zu nehmen, von dem ich weiß, dass es mich stärkt und in bester körperlicher Form erhält für den Dienst und für harte Arbeit. Das ist meine Gesundheitsreform. Rohe Äpfel sind gut für Leute, die die richtige Verdauung dafür haben, aber wenn eine Person diese Art von Verdauung nicht hat, muss sie das als Gesetz annehmen: Keine rohen Äpfel für sie.

Auf diese Weise sind viele Dinge in die Zeugnisse geraten. Viele von ihnen wurden für Einzelpersonen in unterschiedlichen Gesundheitszuständen geschrieben, und dann wurden sie ohne angemessene Anpassung eiligst in die Zeugnisse eingefügt. Das heißt nicht, dass es falsche Dinge sind, aber es heißt, dass sie sich nicht auf jede einzelne Person in der Welt gleichermaßen anwenden lassen. Und man kann kein Regelwerk der Gesundheitsreform oder einen Maßstab gleichermaßen für die ganze Welt festlegen wegen der unterschiedlichen körperlichen Verfassungen, die vorherrschen. Das ist es, was ich auf Predigertagungen sage, und ich denke nicht, dass ich die Macht der Botschaft auf irgendeine Weise zerstöre, nur für den Extremisten.

Bruder Waldorf: Ich habe über zwanzig Jahre lang keine Probleme mit dem Geist der Weissagung oder mit der Bibel gehabt. Je mehr ich beide studiert habe, desto fester überzeugt bin ich auf dieser Ebene geworden. Ich habe die ganze höhere Kritik ganz durchgelesen, und die andere Seite davon. Es gibt 50.000 verschiedene Angaben in der Bibel. Es hat viele Fehler in der Übertragung gegeben. Wenn es nun um die Sache der geschichtlichen Komplikationen geht, betrachte ich die Bibel und den Geist der Weissagung genau gleich.

A. G. Daniells: Hier ist eine Veranschaulichung eines Fehlers in der Bibel: In Samuel steht, ein Mann erhob seine Hand gegen 800 Männer, die er tötete; dann steht in den Chroniken über das gleiche Ereignis, dass er seine Hand gegen 300 Männer erhob, die er tötete.

Waldorf: Ich habe niemals den Geist der Weissagung als unfehlbar betrachtet. Aber Schüler kommen zu mir von verschiedenen Lehrern mit unterschiedlichen Ansichten. Einer kommt und sagt, Professor Lacey hat mich so unterrichtet, und ein anderer kommt von Professor Johnson, der ihn anders unterrichtete. Viele von ihnen kommen auf diese Weise zum medizinischen College von unterschiedlichen Lehrern. Sie wissen nicht, ob jedes Wort des Geistes der Weissagung inspiriert ist oder nicht. Ich unterrichte sie so: Zu Beginn dieser Botschaft brachte Gott diese Gabe der Prophetie in die Kirche, und durch diese Gabe hat Gott die Hauptlehren bestätigt, die wir seit 1844 bis heute vertreten. Ich für meinen Teil glaube, dass die Gabe des Geistes der Weissagung uns gegeben wurde, damit wir die Form bekommen, damit wir nicht menschlicher Schlussfolgerung und moderner Wissenschaft vertrauen, denn ich glaube, dass die moderne Wissenschaft bankrottgegangen ist, was Griechisch und Hebräisch angeht. Was das Fleischessen betrifft, habe ich Fleisch 22 Jahre lang nicht angerührt, aber ich kaufe Fleisch für meine Frau. Ich gehe oft in einen Metzgerladen und kaufe das Beste, was sie haben, um sie am Leben zu erhalten. Ich werde niemals die Zeugnisse als einen Vorschlaghammer gegen meinem Bruder benutzen.

A. G. Daniells: Ich werde euch eines sagen, ein großer Sieg wird errungen, wenn wir tolerant sind, so dass wir mit Brüdern, die nicht einer Meinung mit uns über die Interpretation der Zeugnisse sind, genauso umgehen, wie wenn sie eine unterschiedliche Meinung zur Interpretation der Bibel haben. So hätten wir viel gewonnen, und das ist es wert. Ich will euch das sagen, denn ich stand in der Kritik, seit der Streit in Battle Creek begann. Ist es nicht eine seltsame Sache, als ich und einige meiner Gefährten diese Irrlehre Jahr für Jahr bekämpften, und wir Botschaft nach Botschaft vom Geist der Weissagung bekamen – wobei einige dieser Botschaften sehr tröstend und aufrichtend waren – und die ganze Zeit wurden wir als Ketzer am Geist der Weissagung betrachtet? Wie begründet ihr das? Warum verfolgte uns der Geist der Weissagung nicht? Ich behaupte, ich weiß so gut wie jeder andere Mann, ob ich an den Geist der Weissagung glaube oder nicht. Ich fordere Leute nicht auf, meine Ansichten zu teilen, aber ich hätte gerne das Vertrauen von Brüdern, wo wir uns in der Interpretation unterscheiden. Wenn wir diesen Geist erzeugen, wird es eine große Hilfe sein; und ich glaube, wir müssen es genauso in unseren Schulen lehren.

Angenommen, Schüler kommen zu euch mit Fragen über die Bibel, von denen ihr nicht wisst, was ihr damit tun sollt – oder wisst ihr es immer? Ich würde gerne ein Jahr lang zu einem Lehrer gehen, der mir alles sagen würde, was mich hier verwirrt! Was tut ihr, wenn Schüler mit solchen Fragen zu euch kommen?

W. H. Wakeham: Ich sage ihnen, ich weiß es nicht, und ich verliere auch nicht ihr Vertrauen.

A. G. Daniells: Nun, wenn sie mit etwas im Geist der Weissagung zu euch kommen, das verwirrend ist, warum sagt man nicht, wie Petrus es tat, dass es einige Dinge gibt, die schwer zu verstehen sind. Ich denke nicht, dass dies das Vertrauen der Leute zerstört. Aber wir haben die Vorstellung, dass wir uns anmaßen müssen, das vollständige und umfassende Wissen von allem über den Geist der Weissagung zu haben, und eine extreme Position einzunehmen, um ihm ergeben und treu zu sein.

W. E. Howell: Ich will nur zwei Dinge anmerken: Eines ist die Frage, die Professor Prescott in unserer vorherigen Tagung bezüglich dessen gestellt hat, warum Leute diese unterschiedlichen Haltungen einem Mann gegenüber einnehmen, wenn es um die Bibel und die Zeugnisse geht. Ich bin nicht Philosoph genug, um solch eine Einstellung zu erklären, aber ich denke, dass die Ursache hauptsächlich in der Schaffung von extremen und radikalen Positionen liegt. Ich denke, hier ist die Wurzel des Problems, besonders in Bezug auf den Geist der Weissagung.

Bruder Daniells und Bruder Prescott und andere sind hier mit uns zusammengekommen und haben sehr frei mit uns gesprochen, und ich bin sicher, jeder Mann hier wird sagen, dass sie nichts verschleiert haben. Sie haben euch nichts vorenthalten, worum ihr sie gebeten habt, dass sie euch Einsichtnahme in diese Angelegenheit geben. Ich zweifle nicht, dass es eure Erfahrung ist, wie auch meine, wenn ich von Washington weggehe, sagen zu hören, dass Bruder Daniells oder Bruder Prescott nicht an den Geist der Weissagung glauben.

A. G. Daniells: Bruder Spicer auch.

W. E. Howell: Ja, und Bruder Spicer. Ich bin zuversichtlich darüber, wenn ihr aus dieser Ratsversammlung hinausgeht, dass ihr eine große Hilfe dabei sein könnt, Leute in diesen Dingen Klarheit zu verschaffen, und ich glaube, es ist unser Vorrecht, es zu tun, Brüder, den Leuten in diesen Punkten zu helfen. Viele von ihnen sind aufrecht und ehrliche in dieser Position, wie ich gehört habe. Ich denke, es ist unsere Pflicht, solchen Personen in allem zu helfen, wie wir können, wenn wir sie treffen.

C. L. Benson: Wird dieses Thema jetzt beendet? Von dem, was Bruder Daniells gesagt hat, weiß ich, was es für einige unserer Schulen und unserer Männer von der Generalkonferenz bedeutet. Ich finde, es wäre uns als Lehrern gegenüber unfair, wenn wir hinausgehen würden und Erklärungen abgäben. Es sind schon Briefe eingetroffen, die Fragen stellen wegen der Männer der Generalkonferenz bezüglich der Interpretation des Geistes der Weissagung. Ich denke nicht, es ist fair von uns, hinauszugehen und zu versuchen, die Position der Männer der Generalkonferenz darzustellen. Andererseits kenne ich das Gefühl und die Glaubenslehre, wie sie in unseren Vereinigungen unterrichtet wird, und sie sind die Bibellehrer der Leute; und wenn unserer Bibel- und Geschichtslehrer diese liberale Einstellung zum Geist der Weissagung einnehmen, werden unserer Schulen mit dem Feld vollkommen im Widerspruch stehen. Unsere Leute beginnen sich zu wundern über den Zustand, in dem unsere Schulen sind. Sie sagen, sie lasen im Review über diesen Geist des Heidentums, und sie sagen, jene Artikel wären sicherlich nicht im Review veröffentlicht worden, wenn diese Zustände in unseren Schulen nicht existierten? Nun, wozu würden sie sie im Review schreiben, wenn dies nicht der Fall wäre? Das ist eine Tatsache, viele unserer Leute haben die Einstellung, dass jene Artikel geschrieben wurden wegen Zuständen, die an unseren Schulen herrschen. Ich denke, wir müssen in dieser Sache zu einer Lösung kommen, wenn wir können, und eine Art Erziehungskampagne starten. Draußen im Feld haben wir die Bedeutung des Geistes der Weissagung mehr betont als die der Bibel, und viele unserer Männer tun das auf der ganzen Linie. Sie berichten von den wunderbaren Phänomenen, und oft handelt ihre ganze Predigt vom Geist der Weissagung statt von der Bibel. Wenn es zwischen unseren Schulen und dem Feld zu einem Bruch kommt, wird es ernst.

T. M. French: Ich glaube, es würde uns viel helfen, wenn eine Art allgemeine Erklärung herausgegeben würde, und wenn einiges von dem, was zur Sprache kam, berichtet würde, um zu zeigen, dass wir nicht von unserer Position abweichen, dass wir den Geist der Weissagung betrachten, wie wir ihn die ganze Zeit betrachtet hatten. Ich glaube, es würde helfen, die Situation in unseren Vereinigungen zu beruhigen, und es wäre sowohl für die Vereinigungen als auch für die Schulen eine große Hilfe. Bei dem, was hier aus Briefen und Beschlüssen aus der Vergangenheit vorgelesen wurde, glaube ich, dass wir nicht von unserer Position abgewichen sind, aber die Angelegenheit ist einfach wieder aufgetaucht; und wenn wir unsere Erklärungen bezüglich unserer fortdauernden Einstellung veröffentlichen und die Angelegenheit erneut darstellen könnten, dann glaube ich, dass dies viel Gutes bewirken würde.

W. E. Howell: Das nächste Thema, das wir haben, ist eine Erörterung, wie wir den Geist der Weissagung in unseren Schulen lehren. In unserer letzten allgemeinen Erziehungstagung bereiteten wir die Arbeit eines Semesters zu diesem Thema im Curriculum vor. Ich denke, wir sollten eine Pause von zehn Minuten einlegen und uns dann diesem Thema widmen, was die Gelegenheit für weitere Fragen in dieser Linie geben wird.

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1. August 1919

Inspiration des Geistes der Weissagung ähnlich der Inspiration der Bibel

W. E. Howell, Vorsitzender: Der Gesprächsgegenstand dieser Stunde, wie am Mittwoch vereinbart, ist gewissermaßen eine Betrachtung des Geistes der Weissagung und das Thema der damit verbundenen Inspiration, ähnlich der Inspiration der Bibel. Diese Stunde soll keine formelle Rede sein und eine ganze Zeitstunde einnehmen, sondern Bruder Daniells wird in das Thema einführen, und dann hat er einen Wunsch geäußert, dass es eine Art runden Tisch gibt, an dem wir die Dinge zusammen studieren.

A. G. Daniells: Bruder Vorsitzender, ich denke, da hat es zwischen uns ein Missverständnis gegeben. Neulich protestierte ich gegen das Anschneiden solch eines schweren Themas unter diesen Umständen, und ich verbannte es aus meinen Gedanken und bin einer anderen Linie gefolgt, der der Predigerausbildung, und einer weiteren Diskussion der Frage, vor der wir standen. Ich würde mich unter diesen Umständen nicht frei fühlen, über das Thema eine Rede zu halten, nach dem, wie ich verstehe, verlangt wird.

Wie ihr wisst, gibt es von bedeutenden Männern zwei Ansichtigen bezüglich der verbalen Inspiration der Bibel. Ihr lest ihre Meinungen in den Büchern, die sie herausgegeben haben. Ein Mann – gelehrt, strenggläubig, ernsthaft, ein wahrhaft an die Bibel Glaubender im vollsten Sinne des Wortes – glaubt, dass die Autoren eine Offenbarung der Wahrheit erhielten, und dass es ihnen zustand, diese Wahrheit nach ihrem besten Vermögen niederzuschreiben. Ein anderer Mann – ebenso gelehrt und fromm und ernsthaft in seinem Glauben – glaubt, dass es eine Wort-für-Wort-Inspiration oder Offenbarung war, dass genau die Worte eingegeben wurden, dass jedes Wort im Original, das von den Propheten, angefangen von Mose bis Maleachi, geschrieben wurde, vom Herrn eingegeben wurde. Diese Männer sind sich nicht einig, und sie unterscheiden sich ehrlich und aufrichtig; und sie haben ihre Anhänger unter uns, genau hier bei der Tagung, beide von ihnen, und ich sehe nichts, das von einem Mann in meiner Position, mit meinem Wissen um diese Dinge, durch den Versuch einer Beweisführung gewonnen werden könnte. Ich möchte es nicht tun. Ich denke, wir würden alle bei der gleichen Meinung bleiben, die wir jetzt haben, deshalb will ich euch bitten, mir zu erlauben, diesen Teil davon abzulehnen und entweder direkt zu der anderen Frage der Predigerausbildung zu gehen oder den Weg zu öffnen für weitere Fragen und Gespräche über die Angelegenheit, die wir vor uns hatten. Ich fühle mich darin mehr zuhause, denn all diese Jahre lang, seit der Battle-Creek-Streit begann, habe ich dieser Frage der Zeugnisse von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden. Ich habe all die Zweifler getroffen, die hauptsächlichen, und ich habe mich in Verwaltungsinstituten damit auseinander gesetzt, und ich habe wieder und wieder darüber gesprochen, bis ich es genau kenne, ob ich nun geradlinig bin oder nicht. Ich kenne keinen Haken oder Knoten darin, den ich nicht von diesen Männern vorgebracht gehört habe, die von uns abgefallen sind. Wenn es der Wille der Versammlung ist, wäre ich bereit, weitere Fragen und weitere Gespräche zu hören.

W. E. Howell: Ich bin sicher, ich will nicht, dass Bruder Daniells denkt, dass er uns heute Morgen wirklich enttäuscht; und wenn ich die Wünsche der Lehrer verstehe, dann ist es nicht so gewesen, dass er viel über die eher technische Frage der verbalen Inspiration oder der Inspiration durch die Offenbarung von Wahrheit in der Bibel sprechen sollte, sondern vielmehr, dass er uns einige weitere Hinweise in Bezug auf die Inspiration des Geistes der Weissagung und seine Ähnlichkeit mit der der Bibel geben wird. Für mich gibt es nichts mehr, um diese Linie weiter zu verfolgen, aber wie Lehrer sich mir anvertrauten, habe ich gespürt, dass es gut wäre, angesichts dessen, worüber wir letztens sprachen, über einige Aspekte dieser Frage etwas weiter nachzudenken, besonders die Verwendung unveröffentlichter Schriften, Briefe, Gespräche etc. Schwester White selbst sagte, dass wir, wenn wir wissen wollten, was der Geist der Weissagung zu einer Sache sagte, die veröffentlichten Schriften lesen sollten. Das ist eine Frage, von der ich denke, dass die Lehrer sie im Sinn haben, Bruder Daniells.

F. M. Wilcox: Ich habe an diesen Gesprächen sehr viel Spaß gehabt. Ich genoss den Abend letzte Woche, an dem die Frage des Geistes der Weissagung betrachtet wurde. Ich genoss die Rede, die Bruder Daniells über diese Frage hielt, und ich denke, dass die Auffassung, die er zu der Frage vertritt, sehr mit meiner eigenen Auffassung übereinstimmt. Ich habe viele Jahre lang die Art und Weise gekannt, in der Schwester Whites Werke zusammengetragen und ihre Bücher zusammengestellt wurden. Ich habe nie an die verbale Inspiration der Zeugnisse geglaubt. Ich muss jedoch sagen, dass am letzten Mittwochabend und seitdem wieder einige Bemerkungen ohne angemessene Absicherung gefallen sind, und ich sollte die Wirkung solcher Aussagen und Positionen draußen im Feld bezweifeln. Ich weiß, um Takoma Park herum gibt es viele Gespräche über Positionen, die hier eingenommen worden sind, und draußen im Feld wird genau die gleiche Situation herrschen. Wie Bruder Wakeham letztens vorschlug, ich denke, wir müssen eine sehr heikle Frage behandeln, und ich würde es ungern sehen, wenn eine Auswirkung über das Feld und in irgendeine unserer Schulen fegen würde, dass die Zeugnisse entwertet wurden. Es besteht große Gefahr einer Reaktion, und es macht mir Sorge.

Ich habe hier Fragen gestellt gehört, die in mir den Eindruck erweckten, dass wir, wenn die gleichen Fragen in unseren Klassen aufkämen, wenn wir in unsere Schulen zurückkommen, ernsthafte Schwierigkeiten haben. Ich denke, es gibt sehr viele Fragen, die wir zurückhalten und nicht diskutieren sollten. Ich bin kein Lehrer an einer Schule, obwohl ich 13 Jahre lang in einer Krankenschwesterschule Bibelunterricht gab, wo ich eine große Anzahl junger Leute hatte; aber ich kann nicht verstehen, dass es für uns notwendig ist, jede Frage zu beantworten, die uns von Schülern oder anderen gestellt wird, oder an eine Stelle gedrängt zu werden, in der wir eine Position einnehmen, die den Glauben schwächen wird. Ich denke, die Zeugnisse des Geistes Gottes sind ein großer Gewinn für diese Glaubensgemeinschaft, und ich denke, wenn wir den Glauben daran zerstören, dann zerstören wir den Glauben an eben das Fundament unseres Werkes. Ich muss sagen, dass ich mit großer Besorgnis den Einfluss betrachte, der von dieser Tagung und von den Fragen, die ich hier gestellt gehört habe, ausgehen wird. Und wenn mit diesen Fragen nicht überaus diplomatisch umgegangen wird, dann denke ich, werden wir ernsthafte Probleme haben. Ich hoffe wirklich, der Herr wird uns Weisheit geben, damit wir wissen, was wir sagen und tun sollen, wenn wir diesen Dingen in Zukunft begegnen.

C. L. Benson: Ich bin auf der gleichen Linie sehr besorgt gewesen; und die Frage, die mir in den Sinn kam, geht etwas weiter, als sie hier aufkam; aber es scheint mir fast ein logischer Schritt zu sein. Das heißt: Wenn es solche Unsicherheiten gibt hinsichtlich unserer historischen Position, und wenn man sich auf die Zeugnisse nicht verlassen soll, um unsere historischen Positionen erheblich zu erhellen, und wenn das gleiche gilt in Bezug auf unsere theologische Interpretation von Texten, wie können wir dann der Richtung, die in Bezug auf unsere pädagogischen Probleme und unserer medizinischen Fakultät und sogar der Organisation unserer Gemeinschaft vorgegeben wird, fortdauerndes vorbehaltloses Vertrauen entgegen bringen? Wenn es eine eindeutige geistliche Führung in diesen Dingen gibt, wie können wir dann die Zeugnisse ständig oder teilweise zur Seite legen, wenn es um die prophetische oder historische Seite der Botschaft geht? Und diese Dinge auf die Grundlage von Forschungsarbeit stellen? Diese Frage stellt sich mir, und ich bin sicher, dass andere sie im Sinn haben.

Waldorf: Das habe ich im Sinn. Deshalb habe ich dieses Bild heute Morgen an die Tafel gebracht – diese drei Flüsse Geschichte, Geist der Weissagung und die Bibel.

J. N. Anderson: Ich dachte, als wir letztens das Thema beiseitelegten, dass die Hauptfrage war, wie wir als Lehrer mit dieser Frage umgehen sollten, wenn wir vor unseren Schülern stehen. Ich denke, wir sind über diese Sache unter uns zu einer ziemlich einheitlichen Meinung gelangt, und wir sind uns ziemlich einig darüber, welche Position die Zeugnisse innehaben – ihre Autorität und ihr Bezug auf die Bibel und so weiter, aber die Frage, die ich und auch einige andere im Sinn haben, denke ich, ist: Was sollen wir als Lehrer tun, wenn wir vor unseren Klassen stehen und es kommt eine historische Frage auf, wie solch eine, von der wir hier gesprochen haben, wo wir entschieden haben, dass Schwester Whites Schriften nicht endgültig sind? Wir sagen, es gibt viele historische Fakten, von denen wir glauben, dass die Wissenschaft entscheiden muss, dass Schwester White nie behauptete, in historischen Angelegenheiten, die in ihren Schriften auftauchen, das letzte Wort zu haben. Sind wir auf der sicheren Seite, dies unseren Schülern zu sagen? Oder sollten wir das in der Schwebe lassen? Und können wir etwas im Hinterkopf behalten, von dem wir nicht absolut sicher sind und bei dem die meisten unserer Brüder auf dem gleichen Standpunkt sind? – Können wir diese Dinge zurückhalten und ehrlich gegenüber uns selbst sein? Und darüber hinaus, sind wir sicher, wenn wir das tun? Ist es gut, unsere Leute im Allgemeinen weiterhin an der verbalen Inspiration der Zeugnisse festhalten zu lassen? Wenn wir das tun, fabrizieren wir damit nicht eine Krise, die eines Tages sehr ernsthaft sein wird? Es scheint mir, das Beste für uns wäre, unsere Leute behutsam und sehr vorsichtig dahin gehend anzulernen zu sehen, wo genau wir wirklich stehen sollten, um beständige Protestanten zu sein, um im Einklang mit den Zeugnissen selbst zu sein, um mit dem überein zu stimmen, von dem wir wissen, dass wir es tun müssen, wie intelligente Menschen, wie wir in diesen Sitzungen beschlossen haben.

Natürlich sind dies nicht so wichtige Fragen, weil ich nicht in diesem Zweig unterrichte. Doch kommen sie manchmal in meinen Klassen auf. Aber persönlich bin ich darüber nicht besorgt. Ich bin beunruhigt über den Glauben der jungen Männer und Frauen, die an unsere Schulen kommen. Sie sind unsere zukünftigen Führer, und ich denke, dies sind die Zeiten, in denen ihnen die allerbeste Grundlage gegeben werden sollte, die wir ihnen geben können. Wir sollten ihnen die aufrichtigsten und ehrlichsten Überzeugungen geben, die wir in unseren eigenen Herzen haben.

Ich spreche mit einiger Bewegung, denn es kommt meinen eigenen Überzeugungen nahe, dass etwas hier an diesem Ort getan werden sollte – hier ist es, wo es getan werden kann –, um unsere Leute abzusichern, sie zu erziehen und sie zurück zu bringen und zu bewirken, dass sie auf dem einzigen Grund stehen, der jemals sicher sein kann, während wir vorangehen und fortschreiten.

C. L. Taylor: In Bezug auf die verbale Inspiration der Zeugnisse, würde ich sagen, dass ich hier an einem Tage mehr darüber gehört habe als in meinem ganzen Leben davor. Ich denke, wir haben einen großen, mächtigen Berg von Problemen geschaffen, um hinaus zu gehen und dagegen anzukämpfen. Ich glaube nicht, dass unsere Leute generell an die verbale Inspiration der Zeugnisse glauben. Ich denke, dass die allgemeine Vorstellung unserer Leute ist, dass die Zeugnisse die Schriften einer Schwester sind, die Erleuchtung von Gott bekam. Was die verbale Inspiration betrifft, denke ich, sie haben eine sehr ungenaue Vorstellung. Ich denke, sie glauben, dass Gott ihr auf irgendeine Art Erleuchtung gab, und sie schrieb es auf, und sie wissen nicht was verbale Inspiration bedeutet.

Aber ich sehe eine Menge in der Frage, die Professor Benson stellte, und das ist, wenn wir, was Schwester White sagte, wenn sie Geschichte interpretierte, oder was wir die Geschichtsphilosophie nennen mögen, als unzuverlässig beiseitelegen müssen, und auch Darstellungen von Bibeltexten als unzuverlässig beiseitelegen müssen, wäre die einzige natürliche Schlussfolgerung für mich, und wahrscheinlich für sehr viele andere, dass die gleiche Urheberschaft unzuverlässig ist bezüglich Organisation, bezüglich Pantheismus und jedes andere Thema, das sie jemals behandelt hat; dass sie die Wahrheit gesagt haben mag, aber dass wir lieber alle historischen Fakten zusammentragen sollten, um zu sehen, ob sie die Wahrheit sagte oder nicht. Das ist etwas, das ich diskutiert hören möchte. Ich glaube nicht, dass wir der Frage auf den Grund gehen werden, wenn wir nicht Professor Bensons Frage beantworten.

A. G. Daniells: Sollen wir einige Punkte als geklärt betrachten und weitergehen? Nehmt die Sache der verbalen Inspiration. Ich denke, es ist vielmehr so, wie Bruder Taylor sagt, dass sich unter den meisten unserer Leute diese Frage nicht stellt. Sie ist nicht auffällig. Sie verstehen sie nicht, und sie kennen auch die formalen Merkmale der Inspiration der Bibel nicht. Und die Macht der Bibel und ihr Einfluss auf die Menschheit hängen nicht von einer formalen Sache wie ihren Glauben daran ab, ob sie verbal inspiriert oder von der Wahrheit inspiriert ist. Die Menschen, die genau entgegengesetzte Meinungen vertreten, haben den gleichen Glauben an die Bibel. Ich werde nicht zulassen, dass ein Mensch, der an die verbale Inspiration der Bibel glaubt, meinen Glauben an die Bibel abwertet, weil ich nicht seiner Meinung bin; ich werde nicht für einen Augenblick damit einverstanden sein. Ich kenne meinen eigenen Glauben an sie, ich weiß, dass ich genug an sie glaube, um Vergebung für meine Sünden und Gemeinschaft mit meinem Herrn und die Hoffnung auf den Himmel zu erlangen. Ich weiß das, und ein Mensch, der eine andere Ansicht hat, braucht nicht zu versuchen, meinen Glauben abzuwerten, weil ich nicht die gleiche Ansicht vertrete wie er. Ich setze den Glauben eines anderen Menschen oder sein Verhältnis zu Gott in keiner Weise herab, weil er eine andere Ansicht vertritt. Ich denke, wir könnten über die Inspiration der Bibel streiten – ich wollte sagen, bis zum Gerichtstag – bis zum Ende, und nicht zur gleichen Meinung kommen, aber alle setzen das gleiche Vertrauen in sie und haben die gleiche Erfahrung, und alle gehen schließlich an den gleichen Ort.

Aber nun, in Bezug auf die Zeugnisse: Ich denke, mehr Unheil kann angerichtet werden mit den Zeugnissen, indem man ihre verbale Inspiration behauptet, als mit der Bibel. Wenn ihr nach der Logik darin fragt, könnte es einige Zeit erfordern, sie darzulegen, und ich mag nicht in der Lage zu sein, jeden zufrieden zu stellen, aber wenn ihr nach praktischer Erfahrung fragt, kann ich sie euch geben, eine Menge davon.

F. M. Wilcox: Weil wir wissen, wie die Zeugnisse zusammengestellt wurden, und wir wissen nichts über die Bibel.

A. G. Daniells: Ja. Das ist ein Punkt. Wir wissen es, und es nützt niemandem, sich zu erheben und über die verbale Inspiration der Zeugnisse zu sprechen, weil jeder, der jemals gesehen hat, wie die Arbeit getan wurde, es besser weiß, und wir können genauso gut damit aufhören.

M. E. Kern: Ich bin nicht so sicher, dass einige der Brüder Recht haben, wenn sie sagen, dass wir uns in dieser Frage alle einig sind. Ich kam neulich zum ersten Mal hier her, um an der Konferenz teilzunehmen, und ich hörte den gleichen Mann in der gleichen Rede sagen, dass wir uns auf diese historischen Angaben, die im Geist der Weissagung gegeben werden, nicht verlassen können, und dann sein absolutes Vertrauen in den Geist der Weissagung und in die Zeugnisse beteuern. Und dann, etwas weiter, gab es noch etwas, dem er nicht zustimmte. Zum Beispiel wurde das entschiedene Zeugnis gegen Butter erwähnt, und er erklärte, dass es Ausnahmen dazu gibt. Später sagte er wieder: „Ich habe absolutes Vertrauen zu der Inspiration des Geistes der Weissagung.“ Die Frage ist: Was ist das Wesen von Inspiration? Wie können wir spüren und glauben und wissen, dass es hier eine Ungereimtheit gibt – etwas, das nicht richtig ist – und doch glauben, dass der Geist der Weissagung inspiriert ist? Begreift ihr die Frage?

A. G. Daniells: Ja, ich verstehe deine Frage sehr gut!

M. E. Kern: Das ist die Schwierigkeit, die wir haben, dies jungen Leuten zu erklären. Wir mögen selbst das Vertrauen haben, aber es ist schwer, andere dazu zu bringen, es zu glauben, wenn wir diese eher liberalen Ansichten äußern. Ich kann sehen, wie manche diese liberale Ansicht ausnutzen und hingehen und zu jeder Mahlzeit Fleisch essen und sagen könnten, dass dieser Teil der Zeugnisse nicht zuverlässig ist.

Frage: Kann er das gleiche nicht auch tun, wenn er an die verbale Inspiration glaubt?

M. E. Kern: Nicht ganz so konsequent. Wenn er glaubte, jedes Wort wäre inspiriert, könnte er sich nicht ständig hinsetzen und Fleisch essen.

A. G. Daniells: Aber ich habe gesehen, wie sie es taten.

M. E. Kern: Aber nicht gewissenhaft. Aber nehmt nun einen Mann, der sich in die Heilige Schrift vertieft, und er liest das Hebräische und das Griechische, und dann geht er hinaus und erzählt den Leuten: Wenn ihr Griechisch verstehen würdet, würdet ihr nicht diese Bedeutung aus der Bibel lesen, oder wenn Schwester White Griechisch verstanden hätte, hätte sie dies nicht gesagt. Solch ein Mann kann sich aus dieser liberalen Ansicht heraus viele Freiheiten leisten. Nun, die Frage stellt sich mir so: In der ureigenen Natur der Sache, gibt es nicht ein menschliches Element in Inspiration, weil Gott durch menschliche Werkzeuge sprechen musste? Und können wir, entweder in der Bibel oder den Zeugnissen, mit einem Wort spielen und ein Gesetz erlassen und das Gewissen eines Menschen an ein Wort binden, statt an die allgemeine Aussage der ganzen Bandbreite der Interpretation? Ich glaube nicht, ein Mensch kann an die allgemein gültige Inspiration des Geistes der Weissagung glauben und doch nicht glauben, dass Vegetarismus das Ding für die Menschheit ist. Ich kann verstehen, dass dieses Zeugnis für Einzelpersonen geschrieben wurde, und dass es Ausnahmen dafür gibt, und dass Schwester White in ihrer menschlichen Schwachheit einen Fehler begangen haben könnte bei der Aussage einer Wahrheit, und doch nicht die Inspiration des Geistes der Weissagung zerstören; aber die Frage ist, wie diese Dinge den Leuten vorgelegt werden sollen. Bruder Taylor mag keine Schwierigkeiten sehen, aber ich sehe eine Menge Schwierigkeiten, nicht nur im Umgang mit unseren Schülern, sondern mit unseren Leuten allgemein.

A. G. Daniells: In der Frage der verbalen Inspiration?

M. E. Kern: Bruder Bensons Frage ist auf den Punkt. Vor einigen Wochen hatten wir hier eine Beratung, und wir haben einige Erziehungsgrundsätze und auch einige technische Fragen der Erziehung ziemlich genau festgelegt, und wir gründeten unsere Beschlüsse auf die Autorität des Geistes der Weissagung, wie es geschrieben steht. Nun kommen wir zu diesen historischen Fragen, und wir sagen: „Nun, Schwester White irrte sich hier, und das muss revidiert werden.“ Der Einzelne, der die Ideen, die wir im Erziehungsausschuss durchsetzten, nicht ganz begriff, könnte sagen: „Nun, möglicherweise irrt sich Schwester White bezüglich des Einflusses von Universitäten“, und es ist vielleicht schwer, ihn zu überzeugen, dass sie richtig lag. Ich will irgendwie selbst zu einer einheitlichen Grundlage gelangen.

Vor vielen Jahren war ich in einer Tagung, wo Dr. Kellog und andere eine geschäftliche Angelegenheit betrachteten. Dr. Kellog nahm dort eine Position genau entgegengesetzt dem ein, was Schwester White gesagt hatte. Als er gefragt wurde, wie er erklären könnte, was sie gesagt hatte, erwiderte er, dass sie beeinflusst gewesen wäre, es zu sagen. Er machte die Zeugnisse hier schlecht. Eine kurze Zeit danach las ich einen seiner Artikel in der Zeitung, in dem er das Gesetz auf der Grundlage der Zeugnisse aufzeigte. Das ließ mich mein Vertrauen in Dr. Kellog verlieren. In einem Punkt, mit dem er nicht übereinstimmte, sagte er, sie wäre beeinflusst gewesen. Dann nahm er diese andere Sache, die ihm gefiel, und er sagte, sie wäre vom Herrn. Vielleicht dachte er, das eine war vom Herrn und das andere nicht. Aber wir haben sicher Probleme damit, den Leuten zu zeigen, was menschlich ist und was göttlich inspiriert ist.

G. B. Thompson: Träfe das nicht auf die Bibel zu?

M. E. Kern: Deshalb schlage ich vor, dass wir das Wesen von Inspiration diskutieren. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Schwester White eine Prophetin war, genau wie Jeremia es war, und dass ihr Werk, wie Jeremias, zur richtigen Zeit erscheinen wird. Ich frage mich, ob Jeremia in seinen Tagen nicht eine Menge redete und vielleicht etwas aufschrieb, das, wie Paulus sagte, in eigener Vollmacht geschah. Ich frage mich, ob in jenen Tagen die Leute keine Schwierigkeiten damit hatten, zwischen dem zu unterscheiden, was vom Herrn war und was nicht. Aber die Leute machen es jetzt schwieriger, weil wir alle Artikel und Bücher Schwester Whites haben, und auch ihre Briefe, und viele denken, dass jedes Wort, das sie jemals gesagt oder geschrieben hat, vom Herrn ist. Aufgrund von Briefen, die sie irgendwo von einem Depot aus geschrieben hat, ließen wir Sanatorien bauen. Und es wurden Vorhaben, die große finanzielle Investitionen erforderten, in Gang gesetzt wegen eines Briefes von ihr. Es ist keine Frage, dass viele junge Leute und auch Pastoren diese Vorstellung haben, und für mich ist das ein wirkliches Problem. Ich wünschte, wir könnten dem auf den Grund gehen. Ich glaube nicht, dass wir da schon sind.

W. W. Prescott: Ich möchte fragen, ob ihr denkt, dass Jeremia seine Schriften veränderte, nachdem sie eine Reihen von Jahren lang veröffentlicht worden waren, weil er überzeugt war, das sie historische Fehler enthielten?

M. E. Kern: Das kann ich nicht beantworten.

W. H. Wakeham: Es gibt ein echtes Problem, und wir müssen uns ihm stellen. Wir mögen sagen, dass die Leute nicht an eine verbale Inspiration der Zeugnisse glauben. Vielleicht wissen sie rein technisch nicht, was das bedeutet. Aber das ist überhaupt nicht die Frage. Im ganzen Land haben sie die Zeugnisse angenommen und glauben, dass jedes identische Wort, das Schwester White geschrieben hat, als unfehlbare Wahrheit empfangen werden muss. Wenn wir zurückkommen, müssen wir uns dieser Sache stellen, und es wird in unseren Klassen vorgebracht werden, so wahr wir hier stehen, weil sie mir in jeder Klasse, die ich unterrichtet habe, immer und immer wieder vorgelegt wurde. Es kommt nicht nur in Klassen auf, sondern in den Kirchen. Ich weiß, wir haben eine sehr heikle Aufgabe vor uns, wenn wir uns der Situation stellen und sie ausführen auf die Art und Weise, wie es der Herr will. Ich bete sehr ernsthaft um Hilfe, wenn ich zurückgehe, um mich einigen der Dinge zu stellen, von denen ich weiß, dass ich auf sie treffen werde.

W. E. Howell: Sicherlich werden unsere Schwierigkeiten diesen Morgen gut gelüftet, und das ist vollkommen angemessen, aber wir haben nur noch zehn Minuten übrig von der Stunde, um der Lösung dieser Schwierigkeiten einige Aufmerksamkeit zu widmen. Wir haben Männer mit viel größerer Erfahrung als wir eingeladen, herzukommen und uns zu helfen und uns zu beraten. Es scheint mir, wir sollten ihnen einige Zeit geben.

G. B. Thompson: Es scheint mir, dass wenn wir die Zeugnisse predigen und Vertrauen in sie erwecken wollen, es nicht darauf ankommt, ob sie verbal inspiriert sind oder nicht. Ich denke, wir sind in dieser Klemme wegen einer falschen Unterweisung, die unsere Leute hatten. [Stimme: Das ist wahr.] Wenn wir in dieser Frage immer die Wahrheit gesagt hätten, hätten wir in der Glaubensgemeinschaft jetzt keine Beschwerden oder Betroffenheit. Aber die Erschütterung kommt daher, dass wir nicht die Wahrheit berichtet und die Zeugnisse auf eine Ebene gehoben haben, von der sie sagte, dass sie nicht dorthin gehörten. Wir haben einen höheren Anspruch für sie erhoben, als sie es tat. Mein Gedanke ist, dass der Beweis für die Inspiration der Zeugnisse nicht ihre verbale Inspiration ist, sondern ihr Einfluss und ihre Macht über die Glaubensgemeinschaft. Um dies zu verdeutlichen: Bruder Daniells und ich waren in Battle Creek in einer bestimmten Krise, und wir erhielten die Nachricht, dass einige besondere Zeugnisse von Schwester White auf dem Weg zu uns waren, und dass wir dort bleiben sollten, bis sie eintrafen. Als sie kamen, stellten wir fest, dass sie den Leuten vorgelesen werden sollten. Sie waren sehr ernsthafter Art. Sie waren ein Jahr zuvor geschrieben und archiviert worden. Bruder Daniells und ich beteten darüber, und dann sandten wir die Nachricht an die Leute aus, dass zu einer bestimmten Zeit eine Versammlung abgehalten werden sollte. Als die Zeit kam, kamen etwa 3000 Leute in die Tabernacle-Kirche, und sie füllten sie bis hinauf zu den „billigen Plätzen“. Es gab dort Ungläubige und Skeptiker und alle Schichten. Bruder Daniells stand dort oben und las ihnen die Sache vor, und ich sage euch, dass von ihnen eine Kraft ausging, die die ganze Gemeinde ergriff. Und nachdem die Versammlung zu Ende war, kamen Leute zu uns und sagten uns, dass das Zeugnis eine Versammlung beschrieb, die sie am Abend zuvor abgehalten hatten. Ich war überzeugt, dass in diesem Dokument mehr als normale Macht steckte. Es ging nicht darum, ob es verbal inspiriert war oder nicht, aber es trug die Kraft des Geistes Gottes mit sich.

Ich denke, wenn wir von dieser Linie daran herankommen könnten, würden wir besser vorankommen. Sie sind nicht verbal inspiriert – wir wissen das – und was nützt es zu lehren, dass sie es sind?

M. E. Kern: Ich möchte vorschlagen, dass diese Frage der verbalen Inspiration die Probleme nicht löst.

C. M. Sorenson: Benutzt Schwester White das Wort „Inspiration“ in Bezug auf ihre eigenen Schriften, oder ist das lediglich eine Theorie, die wir aufgebauscht haben? Ich bitte um Information? Ich habe das nie in ihren Schriften gesehen.

A. G. Daniells: Ich weiß kaum, wo ich anfangen oder was ich sagen soll. Ich denke, ich muss dies wiederholen, dass unser Problem besonders in zwei Dingen liegt. Eines ist Unfehlbarkeit, und das andere ist verbale Inspiration. Ich denke, Bruder James White sah von Anfang an die Schwierigkeiten in diesem Bereich. Er wusste, dass er Schwester Whites Zeugnisse nahm und half, sie aufzuschreiben und sie anschaulich und grammatisch und leicht verständlich zu machen. Er wusste die ganze Zeit, dass er das tat. Und er wusste, dass die Sekretärinnen, die sie anstellten, sie nahmen und sie in grammatikalische Zusammenhänge brachten, Sätze umstellten, Sätze vervollständigten und Worte benutzten, die Schwester White selbst in ihrer Originalausgabe nicht benutzte. Er sah dies, und doch sah er einige Brüder, die dies nicht wussten und die großes Vertrauen in die Zeugnisse hatten, glaubten und lehrten, dass Schwester White sowohl diese Worte als auch der Gedanke gegeben wurden. Und er versuchte, diese Vorstellung zu korrigieren. Ihr werdet diese Aussagen im Review and Herald finden, wie die, die Bruder Wilcox neulich vorlas. Wenn diese Erklärung akzeptiert und weiter gegeben worden wäre, wären wir frei gewesen von sehr viel Verworrenheit, die wir heute haben.

F. M. Wilcox: In jenen frühen Reviews wurden Artikel veröffentlicht, die dies dementierten.

A. G. Daniells: Ja, aber ihr wisst, dass es einige Brüder gibt, die sich ganz hineinstürzen. Wir könnten einige alte und einige junge erwähnen, die denken, sie können nicht an die Zeugnisse glauben, ohne sie als absolut unfehlbar und wortinspiriert hinzustellen und die ganze Sache nehmen, als wäre sie wortwörtlich vom Herrn gegeben. Sie sehen nicht, wie man ihnen glauben und Gutes aus ihnen erhalten kann, außer auf diese Weise; und ich vermute, einige Leute denken, wenn sie nicht an die verbale Inspiration der Bibel glauben würden, könnten sie ihr nicht vertrauen und sie als das großartige Buch annehmen, wie sie es jetzt ansehen. Manche Menschen sind technisch und können es auf eine andere Weise kaum verstehen. Andere Menschen sind von nicht so technischer Logik, aber sie haben großen Glauben und großes Vertrauen, und so können sie einen anderen Gedankengang verfolgen. Ich bin sicher, dass eine Vorstellung von Unfehlbarkeit in Schwester White und verbale Inspiration bei den Zeugnissen gefördert worden ist, was dazu geführt hat, dass Leute zu viel erwarten und zu hohe Ansprüche stellen, und so sind wir in Schwierigkeiten geraten.

Nun, als ich dies in den Jahren, seit ich in den Streit in Battle Creek geworfen wurde, studiert habe, war ich bestrebt, die Wahrheit herauszufinden und dann der Wahrheit treu zu sein. Ich weiß nicht, wie ich es tun sollte, außer auf diese Weise. Es wird niemals mir oder den Leuten helfen, eine falsche Behauptung aufzustellen, um einer Schwierigkeit zu entgehen. Ich weiß, wir haben hier Probleme, aber lasst uns einige der wichtigsten Dinge zuerst loswerden. Brüder, gehen wir Schwierigkeiten aus dem Weg oder helfen wir den Schwierigkeiten aus, indem wir eine falsche Position einnehmen? [Stimmen: Nein!] Nun, dann lasst uns eine ehrliche, wahrhaftige Position einnehmen und irgendwie unser Ziel erreichen, weil ich niemals eine falsche Behauptung aufstellen werden, um etwas zu umgehen, was etwas später auftauchen wird. Das ist nicht ehrlich, und es ist nicht christlich, und so beziehe ich hier Stellung.

In Australien sah ich, wie „Das Leben Jesu“ zusammengestellt wurde, und ich sah, wie Kapitel neu geschrieben wurden, manche von  ihnen wieder und wieder. Ich sah dies, und als ich mit Schwester Davis darüber sprach, ich sage euch, ich musste diese Sache richtig stellen und damit anfangen, Dinge über den Geist der Weissagung zu beruhigen. Wenn diese falschen Positionen niemals eingenommen worden wären, wäre die Sache viel einfacher, als sie es heute ist. Was als Plagiat angeklagt wurde, wäre alles vereinfacht, und ich glaube, Menschen wären für die Sache gerettet worden, wenn wir von Anfang an diese Sache verstanden hätten, wie es hätte sein sollen. Mit jenen falschen Ansichten haben wir das Problem vor uns, das hinzubiegen. Wir werden diesen Schwierigkeiten nicht entgegen treten, indem wir auf eine falsche Behauptung zurückgreifen. Wir könnten ihnen nur für heute begegnen, indem wir sagten: „Brüder, ich glaube an die verbale Inspiration der Zeugnisse; ich glaube an die Unfehlbarkeit dessen, durch den sie erschienen, und alles, was dort geschrieben ist, werde ich annehmen, und ich werde darauf bestehen gegen alles Kommende.“

Wenn wir das täten, dann würde ich einfach alles von A bis Z genauso annehmen, wie es geschrieben wurde, ohne irgendjemandem etwas zu erklären; und ich würde keine Butter oder kein Salz oder keine Eier essen, wenn ich glaubte, dass der Herr die Worte in jenen Zeugnissen an Schwester White für die Gesamtheit der Menschen auf dieser Welt gab. Aber ich glaube es nicht.

M. E. Kern: Du könntest es nicht und dein Gewissen rein halten.

A. G. Daniells: Nein, ich könnte es nicht; aber ich glaube das nicht; und ich kann in eine Erklärung der Gesundheitsreform eintreten, von der ich denke, dass sie folgerichtig ist, und dass sie versuchte, sie in späteren Jahren einzubringen, als sie sah, dass Leute schlechten Gebrauch davon machten. Ich habe selbst an ihrem Tisch Pfunde von Butter und Dutzende von Eiern gegessen. Ich könnte das in ihrer eigenen Familie nicht erklären, wenn ich glaubte, dass sie überzeugt wäre, dies wären die eigenen Worte des Herrn an die Welt. Aber es gibt Leute, die das glauben und keine Eier oder Butter essen. Ich weiß nicht, dass sie Salz benutzen. Ich kenne eine Menge Leute in den frühen Tagen, die kein Salz benutzten, und das war in unserer Kirche. Ich bin sicher, dass viele Kinder darunter litten.

Es nützt nichts, wenn wir mehr zur verbalen Inspiration der Zeugnisse behaupten, weil sie nie Anspruch darauf erhob, und James White behauptete es nicht, und W.C. White behauptete es nicht; und all die Personen, die halfen, diese Zeugnisse zusammenzustellen, wussten, dass sie nicht verbal inspiriert waren. Ich werde nichts mehr dazu sagen.

D. A. Parsons: Sie behauptete es nicht nur nicht, sondern sie bestritt es.

A. G. Daniells: Ja, sie versuchte, die Leute zu berichtigen.

Nun zur Unfehlbarkeit. Ich vermute, Schwester White benutzte den Text des Paulus, „wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen“, so oft wie andere Textstellen. Sie pflegte die oft zu wiederholen, „wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen“, mit dem Gedanken, dass sie eine arme, schwache Frau war, eine Botin des Herrn, die versuchte, ihre Pflicht zu tun und den Absichten Gottes in diesem Werk nachzukommen. Wenn man die Einstellung einnimmt, dass sie nicht unfehlbar war und dass ihre Schriften nicht verbal inspiriert waren, gibt es da nicht eine Chance für die Sichtbarwerdung des Menschlichen? Wenn es sie nicht gibt, was ist dann Unfehlbarkeit? Und sollten wir überrascht sein, wenn wir wissen, dass das Werkzeug fehlbar war, und dass die allgemein gültigen Wahrheiten, wie sie sagt, offenbart wurden, sind wir dann nicht darauf vorbereitet, Fehler zu sehen?

M. E. Kern: Sie war eine Autorin, nicht nur eine Feder.

A. G. Daniells: Ja, und nun nehmt dieses „Leben des Paulus“ – ich vermute, ihr wisst alle davon und wusstet, welche Behauptungen gegen sie aufgestellt wurden, Anzeigen wegen Plagiats, sogar von den Autoren des Buches, Conybeare und Howson, und sie neigten dazu, der Glaubensgemeinschaft Schwierigkeiten zu bereiten, weil so viel von ihrem Buch in „Das Leben des Paulus“ übernommen wurde, ohne Quellen anzugeben oder Anführungszeichen zu benutzen. Manche Leute mit strenger Logik würde dies sofort vom Kurs abbringen, aber so bin ich nicht. Ich fand es heraus, und ich las es mit Bruder Palmer, als er es fand, und wir nahmen Conybeare und Howson, und wir nahmen Wylies „Geschichte der Reformation“, und wir lasen Wort für Wort, Seite für Seite, und keine Zitate, keine Quellenangaben, und ich stellte wirklich keinen Unterschied fest, bis ich begann, sie zu vergleichen. Ich vermutete, es war Schwester Whites eigenes Werk. Die arme Schwester sagte: „Nun, ich wusste nichts über Zitate und Quellenangaben. Meine Sekretärin hätte sich darum kümmern sollen, und das Verlagshaus hätte sich darum kümmern sollen.“

Sie behauptete nicht, dass ihr dies alles offenbart und Wort für Wort unter der Inspiration des Herrn geschrieben wurde. Hier wurde für mich das Menschliche in diesen Schriften sichtbar. Natürlich hätte ich dies sagen können, und ich sagte es, dass ich gewünscht hätte, bei der Zusammenstellung der Bücher wäre eine andere Vorgehensweise eingeschlagen worden. Wenn die nötige Sorgfalt angewendet worden wäre, hätte das eine Menge Leute davon verschont, aus der Bahn geworfen zu werden.

Frau Williams: Die Sekretärin hätte gewusst, dass sie überhaupt nichts zitieren durfte, ohne Anführungszeichen zu benutzen.

A. G. Daniells: Das würde man meinen. Ich weiß nicht, wer die Sekretärin war. Das Buch wurde beiseitegelegt, und ich habe nie erfahren, wessen Hand da im Spiel war, dies zu regeln. Es kann sein, dass einige es wissen.

B. L. House: Darf ich eine Frage zu diesem Buch stellen? Hat Schwester White etwas davon geschrieben?

A. G. Daniells: Oh, ja!

B. L. House: Aber es gibt einige Dinge, die nicht in Conybeare und Howson sind, die auch nicht im neuen Buch sind. Warum wurden diese bemerkenswerten Aussagen nicht in das neue Buch aufgenommen?

A. G. Daniells: Ich kann es dir nicht sagen. Aber wenn ihre Schriften verbal inspiriert wären, warum sollte sie sie überarbeiten?

B. L. House: Mein Problem ist nicht die verbale Inspiration. Mein Problem ist dies: Man nimmt die neun Bände der Zeugnisse, und wie ich es verstehe, schrieb Schwester White den Originalstoff, aus dem sie zusammengestellt wurden, außer dass sie korrigiert wurden, soweit es Grammatik, Großschreibung und Zeichensetzung betrifft. Aber solche Bücher wie „Bilder aus dem Leben des Paulus“, „Das Leben Jesu“ und „Der Große Kampf“ wurden anders zusammengestellt, wie mir scheint, sogar von ihren Sekretärinnen, als die neun Bände der Zeugnisse. Gibt es da keinen Unterschied? Ich habe gedacht, dass die Zeugnisse nicht wie diese anderen Bücher entwickelt wurden.

A. G. Daniells: Ich weiß nicht, wie viele Änderungen sie in diesen persönlichen Zeugnissen vorgenommen haben mag, bevor sie sie veröffentlichte.

B. L. House: Schrieb jemand anders jemals etwas, was in den neun Bänden der Zeugnisse gefunden wird.

A. G. Daniells: Nein, ich wüsste nicht, dass es in den Zeugnisse Zitate gibt.

B. L. House: Gibt es dann nicht einen Unterschied zwischen den neun Bänden der Zeugnisse und jenen anderen Büchern, bei denen die Sekretärinnen befugt waren, nützliche Zitate aus anderen Büchern zu sammeln?

A. G. Daniells: Du räumst ihr das Recht ein, ihr Werk zu überarbeiten?

B. L. House: Oh, ja.

A. G. Daniells: Dann ist deine Frage: Warum hat sie bei der Überarbeitung einige beeindruckende Dinge ausgelassen, die sie schrieb, von denen es scheint, dass sie eingefügt hätten werden sollen?

B. L. House: Ja.

M. E. Kern: Im ersten Band des Geistes der Weissagung stehen einige Einzelheiten, wenn ich mich nicht irre, über die Größe Adams. Es scheint mir, dass es, als sie daran ging, „Patriarchen und Propheten“ für die Öffentlichkeit aufzubereiten, nicht klug schien, dies der Öffentlichkeit zu präsentieren, obwohl es ihr gezeigt worden war.

A. G. Daniells: Und in unseren Büchern für die Öffentlichkeit ließ sie auch die Szene weg, in der Satan das Spiel des Lebens spielt.

B. L. House: In dieser alten Ausgabe von „Bilder aus dem Leben des Paulus“ ist sie sehr eindeutig über das Zeremonialgesetz. Das ist nicht im neuen Buch, und ich frage mich, warum es weggelassen wurde.

D. A. Parsons: Ich habe dazu eine Antwort: Ich war in Kalifornien, als das Buch zusammengestellt wurde, und ich nahm die alte Ausgabe und sprach mit Bruder Willi White über genau diese Frage. Er sagte, das ganze Buch mit Ausnahme dieses Kapitel war schon einige Zeit erstellt, und sie hatten es zurückgehalten, bis sie dieses Kapitel auf solch eine Weise einteilen konnten, dass ein aufkommender Streit vermieden werden konnte. Sie wünschten nicht, dass das Buch benutzt werden sollte, um irgendeinen Streit beizulegen, und deshalb strichen sie die meisten dieser Aussagen über das Zeremonialgesetz, einfach um eine Wiederaufnahme des großen Streites über das Zeremonialgesetz in Galater zu vermeiden.

B. L. House: Es ist keine Ablehnung dessen, was im ersten Band von ihr geschrieben wurde, nicht wahr?

D. A. Parsons: Nein, überhaupt nicht; aber sie fügten gerade genug ein, um den forschenden Geist zu befriedigen, aber sie entfernten jene Aufsehen erregenden Aussagen, um eine Wiederaufnahme des Streits zu vermeiden.

F. M. Wilcox: Ich möchte fragen, Bruder Daniells, ob es als eine Art Regel annehmbar wäre, dass Schwester White sich in Einzelheiten irren könnte, aber dass sie in den allgemeinen Grundsätzen und Anordnungen eine Autorität war. Zum Beispiel, ich höre einen Mann sagen: Ich kann Schwester White dazu nicht akzeptieren, wo sie der Abhandlung darüber vielleicht ganze Abschnitte gewidmet hat. Ein Mann sagte, er könnte nicht akzeptieren, was Schwester White über Tantiemen für Bücher sagte, und doch widmet sie diesem Thema ganze Seiten und betont dies wieder und wieder; und es ist das Gleiche mit Richtlinien für unsere Schulen und Verlagshäuser und Sanatorien. Es scheint mir, ich müsste akzeptieren, was sie über einige dieser allgemeinen Richtlinien sagt, oder ich müsste die ganze Sache wegwischen. Entweder hat der Herr durch sie gesprochen, oder Er hat nicht durch sie gesprochen; und wenn es eine Sache ist, nach meinem eigenen Urteil zu entscheiden, ob Er es getan hat oder nicht, dann betrachte ich ihre Bücher genau gleich wie jedes andere Buch, das veröffentlicht wurde. Ich denke, es ist für einen Mann eine Sache, sein Gewissen zum Narren zu halten, und es ist eine andere Sache, sein Urteilsvermögen zum Narren zu halten. Es ist für mich eine Sache, mein Gewissen beiseite zu legen, und es ist für mich eine andere Sache, mein Urteil über einige Ansichten zu ändern, die ich habe.

A. G. Daniells: Ich denke, Bruder Bensons Frage über geschichtliche und theologische Angelegenheiten ist noch nicht behandelt worden, und ich wüsste nicht, dass ich in der Lage wäre, dies zu erhellen. Vielleicht wissen einige von euch, in welchem Umfang Schwester White einige ihrer Aussagen und Erwähnungen und Zitate aus historischen Schriften revidiert hat. Seid ihr sie jemals durchgegangen und habt ihr eine Liste davon angefertigt?

W. W. Prescott: Ich habe letztens fast eine Stunde damit verbracht, nahm die alte Ausgabe des „Großen Kampfes“ und las ihn und las dann die überarbeitete Ausgabe. Aber das hat nicht alles abgedeckt.

A. G. Daniells: Wir haben dieses Problem nicht geschaffen, nicht wahr? Die Männer der Generalkonferenz verursachten es nicht, denn wir führten die Revision nicht durch. Wir hatten keinen Anteil daran. Wir hatten nichts, gar nichts damit zu tun. Es geschah alles unter ihrer Aufsicht. Wenn es hier ein Problem gibt, dann verursachte sie es, nicht wahr?

F. M. Wilcox: Sie übernahm die volle Verantwortung dafür.

M. F. Kern: Aber wir müssen ihr begegnen.

A. G. Daniells: Nun, welche Aussage sollen wir nehmen, die ursprüngliche oder die revidierte?

B. L. House: Wie ich es verstehe, bereitete Bruder J. N. Anderson jene historischen Zitate für die alte Ausgabe vor, und Bruder Robinson und Bruder Crisler, Professor Prescott und andere brachten die Zitate für die neue Ausgabe bei. Schrieb sie die historischen Zitate darin?

A. G. Daniells: Nein.

B. L. House: Dann gibt es einen Unterschied zwischen den Zeugnissen und jenen Büchern.

W. W. Prescott: Änderungen wurden vorgenommen an Stellen, die gar keine historischen Auszüge waren.

A. G. Daniells: Sollen wir uns jetzt nicht auf Bruder Bensons Frage beschränken und uns zur tatsächlichen Schwierigkeit hinauf führen lassen, und dann mit ihr verfahren? Habt ihr eine klare Vorstellung von der Art und Weise, wie die Schwierigkeit aufkam? – dass bei der Erstellung der ersten Ausgabe des „Großen Kampfes“ jene, die ihr halfen, die Ausgabe vorzubereiten, befugt waren, historische Zitate zu erbringen, die dazu zu passen schienen. Sie mag gefragt haben: „Nun, welche gute Geschichte habt ihr dafür?“ Ich weiß nicht, wie genau sie es hineinbrachte, aber sie erlaubte uns nie, sie als Historikerin anzugeben. Sie führte sich nicht als Geschichtseditor auf, sie tat das nicht nur nicht, sondern protestierte dagegen. Wie genau sie damit umgingen, die Geschichte anzuschleppen, könnte ich nicht sagen, aber ich habe den Verdacht, dass sie sich darauf bezog, während sie fortfuhr, und ihnen dann erlaubte, die allerbesten geschichtlichen Aussagen zu sammeln, die sie konnten, und sie ihr zu geben, und sie genehmigte sie.

C. L. Benson: Das ist meine Anfrage, und sie liegt all ihren Werken zugrunde: Wie bestimmte sie die Philosophie der Geschichte? Wenn sie unsere Interpretation der Geschichte bekräftigte, ohne Einzelheiten, wagen wir es, dies beiseite zu legen? Ich verstehe, dass sie niemals medizinische Wissenschaft studierte, aber sie hat bestimmte wesentliche Grundsätze festgelegt, und sie hat das gleiche mit Erziehung und Organisation getan.

A. G. Daniells: Schwester White hat niemals etwas über die Philosophie der Geschichte geschrieben.

C. L. Benson: Nein, aber sie hat unseren Lehrsatz der 2300 Tage von 538 bis 1798 bestätigt.

A. G. Daniells: Du verstehst das so, dass sie es tat, indem sie es in ihre Schriften integrierte.

C. L. Benson: Ja.

A. G. Daniells: Ja, ich vermute, sie tat das.

C. A. Shull: Ich denke, das Buch „Erziehung“ enthält etwas entlang der Linie von Philosophie der Geschichte.

W. E. Howell: Ja, sie skizziert allgemeine Grundlagen.

C. M. Sorenson: Niemand hat jemals Schwester Whites Philosophie der Geschichte in Frage gestellt, soweit ich weiß – und ich nehme an, ich habe die meisten Fragen gehört, die dazu aufgekommen sind – in Richtung der Hand Gottes in menschlichen Angelegenheiten und die Art und Weise, wie die Hand Gottes sich gezeigt hat. Die einzige Frage, die jemand gestellt hat, war über unwichtige Einzelheiten. Nehmt diese Frage, ob 533 eine Bedeutung hat im Zusammenhang mit 538. Sie setzte niemals 533 fest, aber wenn in menschlichen Angelegenheiten eine Bedeutung damit einherginge, würde uns dies niemals daran hindern, es zu benutzen, und das hätte keine Auswirkung auf die 1260 Jahre. Einige Leute sagen, der Antichrist muss noch kommen, und er würde dreieinhalb buchstäbliche Jahre bleiben. Wenn ihr diese Einstellung ändert, werdet ihr die Philosophie ändern.

W. W. Prescott: Verstehe ich, es ist Bruder Bensons Ansicht, dass solch eine Aussage wie die im „Großen Kampf“, dass die 1260 Jahre 538 begannen und 1798 endeten, die Angelegenheit der Unfehlbarkeit beilegt?

C. L. Benson: Nein, nur über das Verkünden von Lehren im Allgemeinen. Wenn sie den prophetischen Teil unserer Interpretation bestätigt, unabhängig von Einzelheiten, dann bestätigt sie sie.

W. W. Prescott: Damit ist dann festgelegt, dass dies ein Teil dieser Philosophie ist.

C. L. Benson: Ja, auf diese Weise: Ich sehe nicht, wie wir etwas anders tun können als unser eigenes Urteilsvermögen einzusetzen, wenn wir sagen, wir werden dies unberücksichtigt lassen, weil wir etwas anderes haben, von dem wir denken, dass es ein besserer Beleg ist. Es ist das gleiche mit Erziehung und der medizinischen Wissenschaft.

W. W. Prescott: Du erwähnst hier genau die gleiche Erfahrung, die ich persönlich durchmachte, weil ihr alle wisst, dass ich etwas zur Überarbeitung des „Großen Kampfes“ beitrug. Ich lieferte erhebliches Material bezüglich dieser Frage.

A. G. Daniells: Auf Verlangen?

W. W. Prescott: Ja, ich wurde gebeten, das zu tun, und zuerst sagte ich: „Nein, ich werde es nicht tun. Ich weiß, was das bedeutet.“ Aber ich wurde dazu gedrängt. Als ich es mit W. C. White durchgesehen hatte, sagte ich: „Hier ist mein Problem. Ich bin dies durchgegangen und schlug Änderungen vor, die gemacht werden sollten, um Aussagen zu berichtigen. Diese Änderungen sind akzeptiert worden. Mein persönliches Problem wird sein, meinen Glauben an jene Dinge zu bewahren, mit denen ich auf dieser Grundlage nicht umgehen kann.“ Aber ich brach nicht mit dem Geist der Weissagung, und ich habe es noch nicht getan; aber ich habe meine Einstellung gegenüber Dingen anpassen müssen. Ich werde euch sagen, dass der Bezug dieser Schriften zu dieser Bewegung und zu unserem Werk tatsächlich klarer und konsequenter in meiner Ansicht ist, als es damals war. Und doch wisst ihr, was mich belastet. Ich bin wegen genau der Sache, von der ihr redet, selbst durch die persönliche Erfahrung gegangen. Wenn wir es hier korrigieren und dort korrigieren, wie können wir an anderen Stellen dazu stehen?

F. M. Wilcox: Diese Dinge beinhalten nicht die allgemeine Philosophie des Buches.

W. W. Prescott: Nein, aber sie beinhalteten ziemlich große Details. Zum Beispiel, bevor der „Große Kampf“ revidiert wurde, stand ich einem bestimmten Punkt ungläubig gegenüber, aber nachdem er überarbeitet war, war ich vollkommen gläubig.

C. M. Welchem Punkt?

W. W. Prescott: Meine Auslegung war (und ich lehrte es jahrelang in „Der protestantischen Zeitschrift“), dass Babylon ein Symbol war für den großen Abfall von Gott, der im Papsttum seinen Höhepunkt hatte, der aber alle geringfügigen Formen beinhaltete, und dass, bevor wir am Ende angelangen, sie alle unter einem Dach zusammen kommen. Das war nicht die Lehre des „Großen Kampfes“. „Der Große Kampf“ sagte, dass Babylon nicht die römisch-katholische Kirche bedeuten könnte, und ich hatte es so gemacht, dass es dies größtenteils und in erster Linie bedeutete. Nachdem das Buch überarbeitet war, sagte es aus, dass es nicht allein die römische Kirche bedeuten könnte, obwohl die ganze Erörterung die gleiche blieb, nur ein Wort wurde eingefügt.

F. M. Wilcox: Das half dir aus.

W. W. Prescott: Ja, aber ich sagte W. C. White, dass ich dachte, niemand hätte das Recht, dies zu tun. Und ich glaubte nicht, irgendjemand hätte das Recht, dies gegen mich zu verwenden, weder vorher noch nachher. Ich fuhr mit meinem Unterricht einfach fort.

J. W. Anderson: Würdest du das nicht für andere Teile des Buches auf der gleichen Grundlage behaupten?

W. W. Prescott: Nein, ich würde mich weigern, dies zu tun. Ich musste mich mit A. R. Henry zu dieser Frage auseinandersetzen. Er war entschlossen, jene Männer zu vernichten, die in Bezug auf ihn einen falschen Kurs einschlugen. Ich verbrachte Stunden mit diesem Mann und versuchte, ihm zu helfen. Wir arbeiteten eng zusammen, und ich ging gewöhnlich zu seinem Haus und verbrachte Stunden mit ihm. Er brachte diese Frage über die Autorität des Geistes der Weissagung auf und wollte, dass ich eine Grenze ziehe zwischen dem, was verbindlich war und was nicht. Ich sagte, „Bruder Henry, ich werde nicht versuchen, das zu tun, und ich rate dir, es nicht zu tun. In dieser Gabe hier steckt eine Autorität, und wir müssen sie anerkennen.“

Ich habe versucht, ein persönliches Vertrauen zu dieser Gabe in der Kirche aufrecht zu erhalten, und ich benutze sie, und ich benutze sie. Ich habe große Hilfe von diesen Büchern erhalten, aber ich werde euch offen sagen, dass ich an der Einstellung zu der Frage von Babylon jahrelang festhielt, obwohl ich wusste, dass sie dem „Großen Kampf“ genau widersprach, aber ich machte damit weiter, und zur rechten Zeit wurde ich konventionell gläubig. Diese Erfahrung gefiel mir überhaupt nicht, und ich hoffe, ihr müsst sie nicht machen. Es bedeutet etwas.

C. L. Benson: Das ist der entscheidende Punkt. Du hattest etwas, das es dir ermöglichte, diese Position einzunehmen. Was war es?

W. W. Prescott: Ich kann für niemanden eine Regel aufstellen. Was mich dazu brachte, diese Position einzunehmen, war die Bibel, nicht irgendeine weltliche Autorität.

J. N. Anderson: Deine eigenen Forschungsergebnisse müssen deine Autorität sein, etwas zu glauben oder nicht zu glauben.

W. W. Prescott: Wenn dies als ein Grundprinzip angewendet wird, kann man alles erschüttern.

C. P. Bollmann: Könntest du uns in nur ein paar Worten sagen, wie die Bibel dir half.

W. W. Prescott: Das würde die ganze Frage des Tieres beinhalten.

Stimme: Hat nach deinem Wissen Schwester White jemals einen Unterschied gemacht zwischen ihren neun Bänden und ihren anderen Büchern?

W. W. Prescott: Ich habe niemals mit ihr darüber gesprochen. Nach meiner Ansicht gibt es einen Unterschied zwischen den Werken, die sie zum großen Teil selbst vorbereitet hat, und dem, was von anderen zum Verkauf an die Öffentlichkeit vorbereitet wurde.

A. G. Daniells: Du kannst das genauso etwas ausführlicher erklären, den Unterschied zwischen der Art und Weise, wie sie produziert wurden.

W. W. Prescott: Wenn ich offen sein soll, würde ich sagen, dass ich jahrelang gedacht habe, dass große Fehler gemacht wurden beim Umgang mit ihren Schriften für kommerzielle Zwecke.

C. M. Sorenson: Von wem?

W. W. Prescott: Ich will niemanden beschuldigen. Aber ich denke, hier wurden große Fehler begangen. Deshalb habe ich so einen Unterschied gemacht. Als ich mit W. C. White darüber sprach (und ich wüsste nicht, dass er eine unfehlbare Autorität ist), sagte er mir offen, dass sie, als sie den „Großen Kampf“ herausbrachten, andere Bücher wie „Daniel und die Offenbarung“ benutzten, wenn sie in ihren Schriften nichts zu bestimmten Kapiteln fanden, um die geschichtlichen Zusammenhänge herzustellen; und manchmal arbeiteten ihre Sekretärinnen und manchmal sie selbst ein Kapitel aus, das die Lücke füllen würde.

C. A. Shull: Ich möchte gerne fragen, ob Bruder Prescott so verstanden werden will, dass es seine Einstellung ist, wenn sein eigenes Urteilsvermögen in Konflikt gerät mit irgendeiner Aussage im Geist der Weissagung, dann wird er seinem eigenen Urteilsvermögen eher folgen als dem Geist der Weissagung?

W. W. Prescott: Nein, ich will nicht, dass jemand das so versteht. Das ist genau das Verständnis, von dem ich will, dass niemand es bekommt.

C. A. Shull: Dann war das ein Ausnahmefall?

W. W. Prescott: Ja. Ich wurde durch mein Studium der Bibel dazu gezwungen. Als ich mich dazu entschlossen hatte, führte ich das nicht den Leuten vor und sagte: „Hier ist ein Fehler im ‚Großen Kampf‘, und wenn ihr die Bibel studiert, werdet ihr das herausfinden.“ Ich griff den Geist der Weissagung nicht an. Meine Einstellung war gewesen, alles zu vermeiden, wie einen Widerstand gegen die Gabe an diese Kirche, aber ich vermeide ihren Missbrauch derart, der dazu führt, die Bibel wegzulegen. Ich will nicht, dass irgendjemand auch nur für einen Moment denkt, dass ich mein Urteilsvermögen gegen den Geist der Weissagung setze.

A. G. Daniells: Lasst uns daran denken, Brüder, und nicht ein Wort sagen, das Bruder Prescott falsch darstellt.

B. L. House: Schrieb Schwester White die Aussage, dass der Begriff Babylon sich nicht auf die Katholische Kirche beziehen könnte, selbst oder wurde dies von einem anderen Autor kopiert?

W. W. Prescott: Das gehörte zu den geschriebenen Aussagen.

B. L. House: Hat sie jemals einen der neun Bände der Zeugnisse geändert?

W. W. Prescott: „Der große Kampf“ ist das einzige Buch, von dem ich weiß, dass es überarbeitet wurde.

C. M. Sorenson: „Sind nicht die „Early Writings“ überarbeitet worden? Ich verstehe, dass in den späteren Ausgaben einige Dinge weggelassen wurden.

W. W. Prescott: Vielleicht wurden einige Dinge ausgelassen, aber ich denke nicht, dass die Schriften selbst überarbeitet wurden.

A. G. Daniells: Ihr wisst, da gibt es eine Aussage, dass der Papst den Sabbat veränderte, und eine andere, dass das Papsttum abgeschafft wurde. Was macht ihr mit diesen?

B. L. House: Damit gibt es kein Problem.

A. G. Daniells: Warum nicht? Der Papst änderte den Sabbat nicht?

H. L. House: Aber der Papst steht für das Papsttum.

A. G. Daniells: Es gibt Leute, die einfach glauben, dass es einen gewissen Papst gab, der den Sabbat änderte, aufgrund der Art und Weise, wie sie den Worten folgen. Sie wollte niemals sagen, dass ein bestimmter Papst den Sabbat veränderte; aber wisst ihr, mir wurde das hundert Mal auf Predigertagungen vorgelegt.

B. L. House: Ich hatte damit nie Probleme.

A. G. Daniells: Aber du bist nur einer. Es gibt etwa 2000 andere. Ich musste mit Männern schrittweise und vorsichtig arbeiten und die ganze Zeit darauf Acht geben, ihnen nicht die Vorstellung zu vermitteln, dass ich ein Zweifler an den Zeugnissen war.

Ich weiß, es wird herumerzählt, dass einige von uns Männern hier in Washington, die für die Verwaltungsarbeit zuständig sind, sehr wankend und ungläubig sind, aber ich will euch sagen, dass ich es besser weiß. Ich weiß, dass meine Mitarbeiter bis ganz hinunter auf die solide Grundlage dieser ganzen Fragestellung vertrauen; und ich weiß, dass viele von euch, wenn sie diese Sache angegangen wären und erlebt hätten, was wir haben, wäret ihr durch eine Erfahrung hindurch gegangen, die euch eine solide Grundlage gegeben hätte. Ihr hättet etwas geschwankt, und ihr beginnt jetzt etwas zu schwanken, und einige von euch wissen nicht, wo ihr landen werdet. Diese Fragen zeigen es. Aber das sagt nicht, dass es keine Grundlage gibt. Es sagt, dass ihr noch nicht durch die Mühen gegangen seid und eure Füße auf festen Boden gestellt habt.

Ich will folgendes vorschlagen, weil wir mit all diesen Fragen logischerweise nicht einem Gedankengang folgen können: Wir müssen beim Umgang mit dieser ganzen Fragestellung viel Vernunft benutzen, Brüder. Seid nicht unvorsichtig mit euren Worten. Seid nicht unvorsichtig beim Berichten oder bei der Darstellung der Ansichten von Menschen. Jahrelang musste ich mich damit auseinandersetzen, wie ihr wisst, auf jeder Predigertagung; und ich bin wieder und wieder in College-Klassen gerufen worden, und ich musste Dinge sagen, von denen jene Prediger und Studenten niemals zuvor etwas gehört hatten; und ich habe um Weisheit und um den Geist des Herrn gebetet, sie zu führen und ihnen Zuversicht zu geben, die Dinge zu vertuschen, die Zweifel erwecken würden. Und es ist niemals auf mich zurückgefallen, dass eine sorgfältige, vorsichtige Aussage, getätigt in der Furcht Gottes, eine einzige Person erschüttert hat. Es mag geschehen sein, aber es ist niemals auf mich zurückgefallen. Nehmt unsere Prediger: Dieser Bruder [gemeint ist Bruder Waldorf] weiß, wie viele Male dies in unseren Predigertagungen drüben in Australien vorgebracht wurde, und wir gingen damit ehrlich um. Wir versuchten nicht, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, und ich glaube, ihr werden die australischen Pastoren und Kirchen so fest im Glauben an den Geist der Weissagung und an Schwester Whites Berufung durch den Herrn finden wie an irgendeinem Ort auf dem Erdboden. Nehmt Neuseeland: Ich führte sie dort heran, und ich denke, es ist wohl bekannt, dass es keinen Ort in der Welt gibt, an dem die Leute wahrhaftiger zu dieser Gabe stehen als dort.

Ich glaube überhaupt nicht, dass es notwendig ist, sich zu verstellen, aber ich glaube, Brüder, dass wir die Weisheit benutzen sollen, die Gott allein uns geben kann, im Umgang damit, bis die Dinge allmählich überarbeitet sind. Wir haben in neunzehn Jahren einen wundervollen Wandel erfahren, Bruder Prescott. Vor fünfzehn Jahren hätten wir nicht sprechen können, was wir heute hier sagen. Es wäre nicht sicher gewesen. Diese Sache ist allmählich gekommen, und dennoch verlieren die Leute nicht ihr Vertrauen in die Gabe. Letztes Jahr haben wir 5000 Sätze der Zeugnisse verkauft, und jeder Satz kostet acht oder neun Dollar. In einem Jahr gaben unsere Brüder und Schwestern – unter dem Einfluss der Generalkonferenz und der Verbände und der Männer der Ortsvereinigungen und unserer Prediger – unter ihrem Einfluss, ohne jeden Zwang, kamen unsere Brüder an und gaben vierzig- oder fünfzigtausend Dollar für die Zeugnisse aus. Als Anzeige wofür würdet ihr dies betrachten?

Stimme: Vertrauen.

A. G. Daniells: Ja, Vertrauen und eine freundliche Haltung. Sie kauften sie nicht als Kritiker, um sie in Stücke zu reißen. Wir müssen nach unseren Früchten beurteilt werden. Ich will euch sagen, je deutlicher die Ansicht ist, die wir in den genauen Fakten vertreten, desto stärker wird das Vertrauen unserer Leute in die ganze Sache sein.

Nun, Bruder Benson, ich sehe die ganze Linie, die sich hier durchzieht, auf die du hinweist. Wir können das nicht an einem Tag richtigstellen. Wir müssen eine hohe Bewertung und große Vorsicht walten lassen. Ich hoffe, ihr Bibellehrer werdet überaus vorsichtig sein. Ich wurde hier zwei Mal aufgerufen, in Bibelklassen und in Predigerausbildungsklassen über den Geist der Weissagung zu sprechen. Sie brachten diese Frage der Geschichte auf. Ich sagte einfach: „Nun, Jungs, Schwester White behauptete niemals, weder eine Historikerin noch eine Lektorin der Geschichte zu sein. Sie benutzte das Beste, was sie kannte, für die Sache, über die sie schrieb.“ Ich habe nie von einem Lehrer gehörte, dass die Jungs das Gerücht verbreiteten und sagten: „Bruder Daniells glaubt nicht, dass Schwester Whites Schriften zuverlässig sind.“ Ich glaube, der Herr wird uns helfen, uns darum zu kümmern, wenn wir sorgfältig sind und unseren Verstand benutzen. Ich denke, das ist alles, was ich in dieser Art von Diskussion sagen kann.                                  

[ENDE]

Mehr als fünfzig Geschwister nahmen an jenen Tagungen teil, einschließlich:

Arthur G. Daniells, Präsident der Generalkonferenz

G. B. Thompson, Field Secretary of the General Conference

W. W. Prescott, Field Secretary of the General Conference

C. S. Longacre, Sekretär der Abteilung Religionsfreiheit

F. M. Wilcox, Herausgeber des Review and Herald

L. L. Caviness, Mitherausgeber Review and Herald

W. E. Howell, Herausgeber des Christian Educator

A. O. Tate, Editor of the Signs of the Times (Zeichen der Zeit)

M. C. Wilcox, Buchherausgeber der Pacific Press

T. M. French, Leiter der Theologieschule am Emmanuel Missionary College (jetzt Andrews University)

W. H. Wakeham, Bibellehrer am Emmanuel Missionary College (jetzt Andrews University)

C. M. Sorenson, Geschichtslehrer am Emmanuel Missionary College

M. E. Kern, Leiter des Foreign Mission Seminary (jetzt Columbia Union College)

H. C. Lacey, Religionslehrer am Foreign Mission Seminary

C. L. Taylor, Leiter der Bibelabteilung des Canadian Junior College

J. N. Anderson, Bibellehrer am Washington Foreign Mission Seminary

W. G. Wirth, Religionslehrer am Pacific Union College

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Ausblick

Wie wäre die Entwicklung unserer Kirche verlaufen, wenn sich der Konsens von 1919 allgemein durchgesetzt hätte? Es ist natürlich müßig, so zu fragen, aber wir hätten uns einen jahrzehntelangen Streit erspart. Noch in den 1970er Jahren gab es auf der Marienhöhe Lehrkräfte, die das Schrifttum von E.G. White auf eine Stufe stellten mit der Bibel. Der damalige Divisionsvorsteher, Bruder Powers, musste aus Bern gerufen werden, um diesen Streit zu schlichten. Seine Aussage war eindeutig. Er benutzte ein Bild von E.G. White, mit dem sie selbst diese Frage beantwortet hatte: Ihre Schriften sind das kleine Licht, das zum großen Licht – zur Bibel – hinführt. Bruder Powers nahm als Beispiel eine Glühbirne von 100 Watt (die Bibel) und stellte ihr eine Glühbirne von 40 oder 60 Watt gegenüber. Damit war der Streit formal beendet, aber es gab und gibt immer noch Gemeindemitglieder, die sich an dieser Frage reiben. Reiben in zweifacher Hinsicht: Einigen gilt unsere offizielle Stellung als zu liberal – sie kämpfen gegen die Kirchenleitung – und einigen gilt unsere Haltung als immer noch zu extrem – sie wenden sich von der Kirche ab. Beide sollten diese Protokolle lesen. Hier wird deutlich, wie sich Menschen wirklich abmühten, einen Konsens zu finden, der auch die damals schon bekannten Fakten berücksichtigte.

G. B.Thompson, ein Mitglied der Generalkonferenz, brachte es in der Diskussion am 1. August auf den Punkt: „Ich denke, wir sind in dieser Klemme wegen einer falschen Unterweisung, die unsere Leute hatten. Wenn wir in dieser Frage [Verbalinspiration oder nicht] immer die Wahrheit gesagt hätten, hätten wir in der Glaubensgemeinschaft jetzt keine Beschwerden oder Betroffenheit. Aber die Erschütterung kommt daher, dass wir nicht die Wahrheit berichtet und die Zeugnisse auf eine Ebene gehoben haben, von der sie sagte, dass sie nicht dorthin gehörten. Wir haben einen höheren Anspruch für sie erhoben, als sie es tat.“[5] Die gleiche Erschütterung wiederholte sich, als Walter T. Rea 1982 sein Buch The White Lie veröffentlichte. Ich habe ihn in seinem Haus in Kalifornien besucht. Er hat mir seine Geschichte erzählt, und anschließend bin ich nach Washington geflogen, um ein Gespräch mit dem Präsidenten der Generalkonferenz zu führen. Ich konnte mit Neal Wilson über Desmond Ford und Walter Rea sehr frei und offen diskutieren, und dabei gab er freimütig zu, dass sie im Fall Walter Rea wohl falsch gehandelt hätten. Sie nahmen seine Ausarbeitung nicht ernst. Aber jetzt habe man den besten Mann an die Arbeit gesetzt, und der würde alle Behauptungen, die Rea erhoben hat, überprüfen. Die Überprüfung hat dann später ergeben, dass Rea wohl in den meisten Fälle Recht gehabt hat.

Und wie ging es nach 1919 wirklich weiter? Auch das könnte uns als Lehre dienen. Am Schluss dieser Konferenz gab es offensichtlich einen Konsens. Niemand zweifelte an der besonderen Stellung, die Ellen White und ihr Schrifttum einnehmen sollten. Aber man gab zu, dass es sich vor allem bei den Büchern, die für den missionarischen Verkauf bestimmt waren,  nicht um Schriften handelt, die ausschließlich durch Visionen zustande gekommen waren. Die Arbeiten der Sekretärinnen und Helfer wurden deutlich benannt. Ihr Schrifttum sei weder verbal inspiriert noch sei es fehlerlos. Ellen Whites Aussage, dass sie weder eine Autorität in Geschichtsfragen noch als Autorität in theologischen Fragen zu gelten habe, wurde mehrmals zitiert. Auch ihre Aussagen zu den Themen Erziehung, Medizin und vor allem ihre Ratschläge zur gesunden Lebensweise wurden realistisch auf das zurück geführt, was in ihrer Absicht lag: Es waren keine allgemein gültigen Gesetze für die ganze Menschheit, sondern Empfehlungen für einzelne Fälle, die man „mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes“ durchaus multiplizieren könne.

Aber dieser Konsens konnte sich viele Jahrzehnte nicht durchsetzen.[6] Unmittelbar nach dieser Konferenz wurden zum Beispiel die Lehrkräfte, die an dieser Tagung teilgenommen hatten, scharf angegriffen. Man vermutete wohl – und das nicht zu Unrecht! – dass diese Männer mit neuen Informationen ausgerüstet worden waren. So wollte der Direktor des Columbia Union College die drei Lehrer, die diese Konferenz besucht hatten, aus dem Dienst zu entfernen. Die Generalkonferenz musste sich einschalten. Sie zwangen den Direktor, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Aber schon 1920 musste Dr. Albertsworth, einer dieser Lehrer, durch einen Beschluss des Schulkuratoriuns seinen Dienst quittieren. Einige Jahre später haben auch die beiden anderen Lehrer das College verlassen.

Schon damals gab es „offene Briefe“. Die entschiedensten Gegner der neuen Linie waren C. Holmes und J. C. Washburn. Sie griffen vor allem die Brüder der Generalkonferenz an. Holmes war als inoffizieller Besucher während der Sitzungen in Takoma  Park dabei. In einem offenen Brief verurteilte er die Abhaltung der Bibelkonferenzen von 1919, und Washburn schrieb in einem weiteren offenen Brief: „Wie konntest Du [gemeint ist Bruder Daniells] eine solche Parade von Zweifeln zulassen und den Vorsitz über eine Wolke undurchsichtiger Kritik übernehmen?“ Viele sind der Auffassung, dass es vor allem dieser Brief war, der kurze Zeit später die Absetzung von Daniells bewirkt habe. Tragisch für einen Mann, der nicht länger bereit war, bestimmte Fakten zu verheimlichen und versuchte, einen realistischen Zugang zu den Schriften von E.G. White zu ermöglichen. Tragisch auch, dass sich in der Folgezeit die fundamentalistischen Kräfte in den Dienststellen und Schulen durchsetzten. Bis in die 1970er Jahre wurde vielerorts noch die Unfehlbarkeit Ellen Whites gelehrt,verkündet und geglaubt. Erst der Streit mit Desmond Ford, die Publizierung des Buches von Walter Rea, die sich daran anschließenden Äußerungen der Generalkonferenz mit dem Eingeständnis fremder Urheberschaft vieler Aussagen in ihren Büchern und die Veröffentlichung der Protokolle der Bibelkonferenz von 1919 schafften einen Wandel. Aber wir sollten wachsam sein: Die extrem konservativen Kräfte sind nicht ausgestorben. Wehren wir den Anfängen! Wir wollen nicht wieder in alte Kämpfe verwickelt werden. Und am besten helfen uns dabei die Fakten und Aussagen von Brüdern, die damals dabei waren. Diese kleine Publikation soll unser Vertrauen in die Autorität der Schriften und der Person von Ellen White stärken. Uns aber zugleich vor ungerechtfertigten Versuchen schützen, aus Ellen White jemanden zu machen, der sie nie sein wollte. Ihr Schrifttum hat vielen Menschen geholfen, einen Weg zum Heil zu finden.  Aber sie selbst hat wiederholt gesagt: Kein Mensch ist unfehlbar! Diesen Anspruch hat sie nie erhoben, und wir sollten ihr darin folgen.

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Dieser Text wird ins Internet gestellt, damit alle sich frei fühlen können, ihn auszudrucken, ihn zu vervielfältigen und als Grundlage für Gespräche im Gemeinde- oder Freundeskreis zu nutzen.

Die hier übersetzten Seiten finden sich als englischer Text in „1919 Bible Conference –by Couperus in Spectrum vol 10 no 1 May 1979“

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[1] Vorliegendes Manuskript S. 6

[2] ebd. S. 8 f

[3] ebd. S. 9

[4] ebd. S. 20; 22; 33

[5] ebd. S. 31

[6] Die folgenden Ausführungen gehen auf ein Referat zurück, das Bert Haloviak, Mitarbeiter der Generalkonferenz, anlässlich eines Treffens adventistischer Bibellehrer in New York City 1979 ausgearbeitet hat. Zitiert in AGG, Band 16, S. 149 ff